Von Maunz’ Doppelleben wußte nicht einmal seine Familie. Fünf Nummern lang kostete die National-Zeitung den Triumph aus, einen der einflußreichsten Verfassungskommentatoren im verborgenen zu ihren Förderern zählen zu dürfen. So ist es wahrscheinlich auch wahr – Frey brüstet sich damit daß Maunz Frey mit einem Gutachten aus der Klemme half, als diesem nach Artikel 18 Grundrechte entzogen werden sollten. Damals wußte niemand so recht, warum das Verfahren versandete.

Maunz’ Schüler Roman Herzog zeigte sich wütend und konsterniert. Mitkommentator Dürig reagierte erschrocken, wenn auch moderat: Maunz sei ein Mann von geradezu asiatischer Höflichkeit gewesen und habe nie nein sagen können; immerhin brauche der Kommentar nicht geändert zu werden: "Da ist jede Zeile einwandfrei." Doch den Kritikern, erscheint Theodor Maunz nun als "Verfassungsfeind nach Feierabend" und als ein kalter Anpasser. Viele Kritiker finden nun auch, Maunz’ Arbeiten seien kaum jemals originell gewesen, sondern hätten "geradezu als Inkarnation der mittleren, konfliktvermeidenden herrschenden Meinung gelten" können. Das ist ungerecht, denn in den fünfziger Jahren hat Maunz der ersten Nachkriegsgeneration Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit nahegebracht. Als sein ehemaliger Student in München schwankt der Autor dieser Zeilen heute zwischen Bewunderung und Ekel.