So ernst ist also die Lage: Der Kanzler holt sich einen neuen Medienberater in die Nähe, dorthin, wo neben seinem Ackermann schon andere Helfer tätig sind – man denke nur an den fleißigen Meinungsforscher Gibowski, der im Schatten wirkt und wirkt. Der Berater sind also viele, und dennoch ist Not am Mann. Jetzt kommt er.

Peter Boenisch, 66, der Neue, ist allerdings ein vergleichsweise Alter, jedenfalls ein alter Bekannter, der Kohl schon früher beraten hat und obendrein zwei Jahre lang, von 1983 bis 1985, sein Regierungssprecher war.

Berüchtigt war er vorher schon als Kolumnist: Heinrich Böll machte ein Buch darüber: „Bild, Bonn, Boenisch“. Recht viel der Ehre.

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Bringt der Mann von Bravo, Bild, Welt und Bunte für Kohl die Imagewende? Ein Anfang wird gerade versucht, wenngleich Boenisch damit noch nichts zu tun hat: Kohl ohne Brille. Ein Schwarzweißplakat mit dem scharfsichtigen Pfälzer, der entspannt und einnehmend lächelt, hat die CDU-Zentrale schon vor Boenisch in Auftrag gegeben. Darauf legen die Leute des Generalsekretärs namens Hintze Wert.

Auf dem Hamburger Parteitag soll der sympathische Kohl mit dem Durchblick ohne Brille zum ersten Mal groß plakatiert werden. Text: „Politik ohne Bart.“ Potzblitz, wie witzig. Der Pfälzer CDU-Mann Johannes Gerster, Spitzenkandidat und Bartträger wie Rudolf Scharping, amüsiert sich gewiß königlich.

Gemacht hat das schöne Bild Konrad R. Müller, vielgefragter Schwarzweißportraitist mit einem Faible für faltige Landschaften und Gesichter, bekannt vor allem für die Hingabe, mit der er die bisherigen deutschen Kanzler abbildete, am liebsten Brandt, am meisten Kohl.