Weder der deutsche Aktien- noch der Rentenmarkt finden gegenwärtig zu einer klaren Linie. Viele Börsianer sehen in der Unsicherheit eine notwendige Konsolidierungsphase, der ein neuer Aufschwung der Aktienkurse folgen könnte. Es gibt aber auch Skeptiker, die die ständigen Kursschwankungen für den Beginn einer längeren Durststrecke halten. Sie empfehlen, die Aktienbestände zu verringern und die freiwerdenden Mittel während der kommenden Monate auf Festgeldkonten zu parken. Die Aufmerksamkeit der noch verbliebenen Anleger und des auf kurzfristig erzielbare Kursgewinne hoffenden Berufshandels richtet sich mehr und mehr auf die sogenannten zyklischen Aktien. Darunter versteht man die Papiere solcher Unternehmen, die am ehesten von der erhofften Konjunkturerholung profitieren. Dazu rechnen die Börsianer vor allem die Aktien der Automobilkonzerne. Deren Kurse steigen bereits, weil sich in den Vereinigten Staaten der Autoabsatz belebt hat. Im Mittelpunkt des Interesses stehen an der deutschen Börse die BMW-Aktien, deren Kurse nach dem Einstieg bei Rover die Notierungen des Konkurrenten Daimler überholt haben.

Bei Daimler scheint jetzt schon die geplante Kapitalerhöhung in Höhe von effektiv rund zwei Milliarden Mark auf den Kurs zu drücken. Die Transaktion muß allerdings warten, bis Daimler mit der Mercedes-Holding vereinigt ist. Dies wird bisher noch durch Aktionärseinsprüche verhindert.

Die Aktien des VW-Konzerns sind indes zum Spielball von internationalen, vor allem Londoner Spekulanten geworden. Durch das gezielte Ausstreuen von Gerüchten werden die Kurse nach beiden Seiten beeinflußt.

Der rege Handel mit Autoaktien nutzt auch den Papieren der Autozulieferer, deren Kurse in diesem Jahr teilweise bereits deutlich zugelegt haben. Die Unternehmen dieser Branche haben abgespeckt und sich neu organisiert.

Ahnliches gilt für Teile der Maschinenbaufirmen, denen ebenfalls die Nachfrage nach zyklischen Werten entgegenkommt. Daß die Unternehmen dieser Branche mit Prognosen zurückhaltend sind, mag mit den laufenden Tarifauseinandersetzungen in der Metallindustrie zusammenhängen. Doch sollte dort ein Streik in letzter Minute noch verhindert werden, versprechen sich die Haussiers vor allem in diesem Bereich einen kräftigen Kursschub. K.W.