ZEIT: Herr Köhler, wie wollen Sie die Sparkassen für die Aufgaben der Zukunft fit machen?

Köhler: Ich halte die Sparkassenidee für ein zukunftsweisendes Konzept. Die Weltwirtschaft wächst immer enger zusammen; die gegenseitigen Abhängigkeiten und Zwänge nehmen weiter zu. Dieser Entwicklung fühlen sich viele Menschen schutzlos ausgesetzt. Es besteht die Gefahr, daß sie sich abkapseln, beispielsweise auch in neonationalistischen Tendenzen. Das kann und darf keine Lösung sein. Wir müssen in Deutschland eher noch weltoffener werden, um Einkommen und Arbeitsplätze zu sichern. Damit die Menschen bei einer weltoffenen Strategie aber nicht zum Treibgut werden, brauchen wir Anker, Verankerungen zu Hause.

ZEIT: Und das sollen ausgerechnet die Sparkassen sein?

Köhler: Öffentlich-rechtliche Sparkassen sind institutionell in der Region verankert. Außerdem denke ich, daß in unserer Gesellschaft der Individualismus derzeit tendenziell übertrieben und das Gemeinwohl zu oft vergessen wird. Deshalb halte ich auch die Gemeinwohlorientierung der Sparkassen für höchst modern. Sie haben zu den wirtschaftlichen und sozialen Problemen in den Regionen nachweislich ein anderes Verhältnis als vorwiegend gewinnorientierte Banken. Manche Aktivitäten im kommunalen Vereins-, Sozial- und Kulturleben wären ohne das Engagement der Sparkassen sehr viel schwerer – bisweilen gar nicht – zu verwirklichen.

ZEIT: Das ist eine politische Rechtfertigung. Wo bleibt die ökonomische?

Köhler: Auch die spricht für die Sparkassen. Sie behaupten sich – offensichtlich nicht zum Wohlgefallen der Konkurrenz – bestens im Wettbewerb. Durch Produktivitäts- und Vertriebssteigerungsprogramme und eine noch stärkere Zusammenarbeit im Finanzverbund der Sparkassenorganisation werden wir dafür sorgen, daß dies auch in Zukunft so bleibt. Betrachten Sie außerdem die Entwicklung auf den internationalen Finanzmärkten. Dort werden in einem Umfang und mit einer Unüberschaubarkeit Geschäfte mit reinen Finanzprodukten, den sogenannten Finanzderivaten, gemacht, daß beispielsweise dem Internationalen Währungsfonds und auch der Deutschen Bundesbank zunehmend Bedenken kommen. Das dezentrale Sparkassenwesen jedenfalls wird nicht lahmgelegt, wenn die Finanzmärkte einmal wirklich verrückt spielen oder wenn bei einem global player eine Schieflage eintritt.

ZEIT: In der Vergangenheit trübten .Machtkämpfe, beispielsweise zwischen einzelnen Landesbanken, das Erscheinungsbild der Sparkassengruppe in der Öffentlichkeit. Wie wollen Sie solche Konflikte verhindern?