Mit einer ungewöhnlichen vertrauensbildenden Maßnahme griff Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsministerin Anke Brunn (SPD) in die Studentenproteste ein: In einem persönlichen Brief versicherte sie den 500 000 Studenten des Landes, daß es mit ihr weder Studiengebühren noch Zwangsexmatrikulationen wegen zu langer Studienzeit geben werde.

ZEIT: Warum dieser Brief? Glauben Sie, daß die Studenten Ihnen sonst nicht glauben?

Brunn: Ich hatte den Eindruck, daß die Studenten außerordentlich verunsichert sind durch die ganzen Debatten um den Bildungsgipfel und die Androhung von Sanktionen. Die Jugend steht vor sehr schwierigen Zeiten. Deshalb fand ich es einfach nötig, klarzustellen, was bei uns in NRW Sache ist. Daß sie Politikern generell nicht glauben, ist etwas, was man gewissermaßen vor die Klammer ziehen muß.

ZEIT: Haben Sie den Brief jedem persönlich nach Hause geschickt?

Brunn: Wir hatten tatsächlich zunächst überlegt, ihn per Briefmarke an jeden persönlich zu schicken. Es sollte jeder seinen Brief kriegen. Das wäre aber zu teuer gewesen. Die Verteilung läuft jetzt über die Hochschulen.

ZEIT: Haben Sie schon Reaktionen bekommen?

Brunn: Ja, die waren bisher sehr positiv. Die Studenten haben sich gefreut, daß sie unmittelbar angesprochen wurden, daß sie ernst genommen werden. Einige haben auch schon wieder mit einem offenen Brief geantwortet.