Von Michael Braun

Ein Traumjahr an den deutschen Aktienmärkten ging zu Ende, es sollten – gemessen am Deutschen Aktienindex Dax – letztlich 46,7 Prozent mehr werden. Daß Anleger nach solchen Kurssprüngen Gewinne mitnehmen wollen, darauf wartete der Markt schon im Dezember ängstlich. Die starken Kursschwankungen dokumentierten bis in den Januar hinein: Die Bullen kämpfen gegen die Bären.

Daß in solchen Zeiten ein Finanzprodukt, das die Chancen der Aktienanlage mit einer Risikobegrenzung verknüpft, ein Renner werden würde, war schon vor der Jahreswende absehbar. Doch nicht die Angst vor der massiven Konsolidierung habe sie auf die Idee des "DIT-Deutsche Aktien RB"-Fonds gebracht, versichern Gesprächspartner bei der Dresdner-Bank-Tochter Deutsche Investment-Trust (DIT) – der Namenszusatz "RB" steht für Risikobegrenzung. Der DIT habe nicht das aktuelle Risiko des "Kassemachens" am deutschen Aktienmarkt begrenzen, sondern unabhängig davon ein Produkt stricken wollen, das der deutschen Anlegermentalität so weit wie möglich entgegenkommt.

Diese sei vor allem von "Risikoaversion" geprägt. In der Tat gelang den Aktienfonds erst im vergangenen Jahr der Durchbruch, obwohl die Investmentidee selbst in Deutschland schon fast so alt ist wie die soziale Marktwirtschaft. Der Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) berichtet, "entgegen dem bisherigen Anlageverhalten" hätten 1993 nicht mehr Rentenfonds das meiste Geld der Investmentsparer an sich gezogen, sondern Aktien- und auch offene Immobilienfonds. Allein 11,2 Milliarden Mark flossen in Aktienfonds, "mehr als das saldierte Mittelaufkommen der letzten zwanzig Jahre", hat der BVI ausgerechnet. Da steckten natürlich auch große institutionelle Anleger (der BVI spricht lieber von "Wertpapier-erfahrenen" Anlegern) Millionenbeträge in Aktienfonds. Zugleich schien jedoch die Zeit reif, den Privatanlegern einen Fonds anzubieten, der sozusagen mit einer Hand Aktien kauft, mischt und verwaltet und zugleich mit Hilfe der neuen, derivativen Finanzprodukte, wie beispielsweise Verkaufsoptionen, die Risiken nach unten begrenzt.

Weil der Einsatz dieser Sicherungsmittel Geld kostet, sind die Gewinnchancen freilich ebenfalls eingeschränkt. Ein RB-Fonds nach DIT-Muster wird deshalb immer drei bis sieben Prozent schlechter als das Spitzenergebnis eines Marktes abschneiden. Mit dieser neuartigen Fondskonstruktion wandte sich der DIT an Neueinsteiger und an Investoren, die bei sinkenden Geld- und Kapitalmarktzinsen eine Alternative zum Termingeld und zu den festverzinslichen Staatspapieren suchten.

Der Erfolg war verblüffend: Nach drei Wochen, in denen die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage enthalten waren, mußte der Verkauf eingestellt werden. Das Mittelaufkommen des neuen RB-Fonds übertraf innerhalb von nur dreizehn Geschäftstagen den Nettoabsatz aller DIT-Aktienfonds in den Jahren 1990 bis 1992. Das Interesse war so groß, daß die Fondsmanager bei der Beschaffung der Sicherungsinstrumente an Marktgrenzen stießen. Schnell wurde ein Nachfolgeprodukt geschaffen, der "DIT-Lux Europa Aktien RB", der seit Mitte Januar verkauft wird. Er ist nach luxemburgischem Recht konstruiert, weil das derivative Instrumentarium zur Risikobegrenzung hier breiter ist. In Luxemburg ist es – anders als in Deutschland – erlaubt, auch Verkaufsoptionen auf Aktienindizes und auf Terminkontrakte zu nutzen. Allerdings kommt bei dem Europa Aktien RB-Fonds das Währungsrisiko hinzu, weil der Fonds Aktien großer Unternehmen in ganz Europa kauft. Das wird im Rahmen der Risikobegrenzung jedoch nicht abgesichert und muß vom Kunden getragen werden.

Nur das Aktienkursrisiko wird limitiert, und das funktioniert so: Zunächst kauft der Fonds ordentlich Aktien im Zielmarkt. Der erste Fonds hat in deutsche Aktien investiert, der Luxemburger Nachfolger langt in Europa zu. Der deutsche RB-Fonds sei zu 95 bis 97 Prozent in deutschen Standardwerten engagiert, erläutert die DIT-Geschäftsführung. Der Fonds spiegele die Struktur des Deutschen Aktienindex (Dax), versuche aber, "etwas besser als der Dax" abzuschneiden, und setze daher den Schwerpunkt derzeit bei den zyklischen Werten. Zugleich wird beispielsweise mit Hilfe von Verkaufsoptionen das Kursrisiko des erworbenen Portefeuilles nach unten auf fünf Prozent begrenzt. Diese Grenze ist willkürlich, sie hat mit den Kosten der Risikobegrenzung zu tun: Ein niedriges Sicherheitsnetz wäre teurer, ein höheres billiger, aber vielleicht nicht mehr attraktiv.