Menschen, die an der Schaufensterkrankheit leiden, sind schlecht zu Fuß. Kaum sind sie einige hundert Meter gegangen, schmerzen die Beine so sehr, daß sie stehenbleiben müssen. Ist ein Schaufenster in der Nähe, so sehen sie hinein, um nicht gebrechlich oder geistig abwesend zu erscheinen. Nach einer Pause von ein bis zwei Minuten sind die lähmenden Schmerzen abgeklungen, und es kann weitergehen. Eine schlechte Durchblutung der Beinmuskeln ist der Grund für die Beschwerden – ohne Sauerstoff und Nahrung schlagen die Muskeln Alarm.

Verschlimmern sich die Symptome, dann drohen am Ende Raucherbein und Amputation. Dabei fängt es ganz harmlos an: Leichte, nicht schmerzhafte Störungen des Blutflusses sind die Vorboten der Claudicatio intermittens, wie das Stehenbleiben im Fachjargon heißt. Doch schlimm kann es weitergehen: Permanente, sogenannte Ruheschmerzen können der Claudicatio folgen. Zeigt das Bein schließlich offene Stellen, ist es kaum mehr zu retten.

Durchblutungsstörungen plagen vor allem ältere Menschen. Bei jedem zehnten über 55 Jahren werden die Blutgefäße der Beine von Blutklümpchen, Fett- und Stoffwechselablagerungen verstopft. Doch die Krankheit erfaßt das ganze Arteriensystem: Bei jedem dritten in dieser Gruppe sind auch die Blutgefäße schadhaft, die Gehirn und Herz versorgen.

Dank besserer Informationen, wirksamerer Medikamente und verfeinerter Techniken könne heute Patienten geholfen werden, deren Beine vor fünf Jahren noch amputiert worden wären, sagt Thomas Wuppermann, Chefarzt an der Max-Ratschow-Klinik für Gefäßkrankheiten im Darmstädter Klinikum. Neuerdings setzen einige Gefäßchirurgen auch auf die umstrittene Methode der Rückenmarksstimulation, die mit elektrischen Impulsen die Durchblutung der Beine verbessern soll.

Was ist dran an der Stimulation? Sie bietet, so meinen ihre Befürworter, eine therapeutische Nische für Patienten, die nicht mehr mit herkömmlichen Methoden behandelt werden können, denen man aber die Amputation ersparen will. Für die Stimulation wird einem Patienten bei lokaler Betäubung durch einen Schnitt oberhalb des Steißbeins eine streichholzdünne Elektrode in die Gegend des zwölften Brustwirbels am Rückenmarkskanal entlang hochgeschoben. Dort soll sie mit elektrischen Impulsen bestimmte Schaltstellen des Rückenmarks reizen. Ein Taktgeber, der wie ein Herzschrittmacher aussieht und auch so ähnlich funktioniert, wird in der Hüftgegend implantiert.

Seit acht Jahren werden in Deutschland in einigen Spezialkliniken solche Stimulatoren eingepflanzt. Der Kölner Gefäßchirurg Svante Horsch vom Akademischen Lehrkrankenhaus Köln-Porz übernahm die Methode aus den USA und führte sie in Deutschland ein. Hier ist er ihr vehementer Fürsprecher. Und Fürsprache hat sie nötig, denn sie ruft vor allem die Anhänger konventioneller Methoden auf den Plan. Sie führen ins Feld, daß noch unklar ist, wie die Elektrode letztlich auf den Organismus wirkt.