Der Abschied aus der Politik dürfte Horst Köhler nicht leichtgefallen sein. Immerhin gehörte der promovierte Volkswirt zur Führungscrew im Kabinett Kohl und war maßgeblich an wichtigen Weichenstellungen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik beteiligt. Ob es um den Vertrag von Maastricht, die deutschdeutsche Währungsunion oder um Finanzhilfen für die GUS-Staaten ging: Köhler spielte als Unterhändler eine tragende Rolle. Die Karriere des CDU-Mitglieds begann 1981 in der Kieler Staatskanzlei. Als der damalige schleswig-holsteinische Regierungschef Gerhard Stoltenberg als Bundesfinanzminister nach Bonn ging, nahm er seinen Adlatus mit an den Rhein. In der Behörde leitete Köhler verschiedene Abteilungen, bevor er 1989 beamteter Staatssekretär wurde. Sein Können und Fleiß hatten auch den Bundeskanzler beeindruckt. Kohl ernannte Köhler zu seinem „Sherpa“, der die jährlichen Gipfeltreffen der Staatschefs der größten westlichen Industrieländer (G-7) vorzubereiten hat. Hier beschränkte sich Köhler ebenfalls nicht auf die Rolle des Apparatschiks, sondern versuchte mit Viel Engagement, Impulse zu geben. Konzeptionelles Denken und Verhandlungsgeschick kann der knapp 51jährige auch auf seinem derzeitigen Posten gut gebrauchen. Denn der Nachfolger von Helmut Geiger auf dem Präsidentenstuhl des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) muß der Institutsgruppe einen Weg zeigen, wie sie die Umwälzungen im Kreditgewerbe am besten übersteht, und dabei die Fliehkräfte einer dezentralen Organisation bändigen.