Reisen bildet. Zumal dann, wenn Kosten keine Rolle spielen. Dieser Gleichung ist nun auch das Landesarbeitsgericht Düsseldorf gefolgt. Es hat die fünftägige, sachkundig geleitete Wanderung einer Krankenhausärztin durch das Allgäu als Bildungsurlaub anerkannt – bei voller Bezahlung der Urlauberin, versteht sich, und gegen den Willen ihrer Klinik.

Der Spruch der Richter weist in diesen kargen Zeiten neue Wege. Wer bei Reisen einen Zugewinn an Verständnis „für gesellschaftliche, soziale und politische Zusammenhänge“ reklamiert, kann auf die Urlaubsgenehmigung seiner Arbeitgeber setzen. Lang verdrängte Bildungswünsche nähern sich damit ihrer Erfüllung: ein Besuch im Pariser „Crazy Horse“ etwa (gesellschaftliche Erkenntnisse!), Golfspielen auf den Bahamas (Sozialkunde!) oder ein Abend mit Geishas in Tokio (politische Einbli’cke!).

Dem Bildungstourismus sind künftig keine Grenzen mehr gesetzt. In diesem Sinne darf sich auch der Bundeskanzler bestätigt fühlen. Selbst wenn es Millionen von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern anders sehen, Kohls Zorneswort hallt wider: Deutschland, ein Freizeitpark – jetzt auch gerichtsnotorisch. D.B.