Den deutschen Menschen drängt es nach Freiheit, Kampf und Abenteuer – heute gehört ihm Deutschland, morgen die ganze Welt. Einerseits.

Andererseits schätzt der deutsche Mensch seine Heimat und seine Ruhe, über alles in der Welt. Einerseits möchte er den Lindwurm töten, andererseits mit dem Bier vor dem Fernseher hocken.

Woher dieser Zwiespalt kommt (den „faustisch“ zu nennen deutscher Brauch ist) zwischen der Sehnsucht nach dem Heldentum und der Liebe zur Gemütlichkeit, zwischen ewiger Unrast und zäher Seßhaftigkeit, kann keiner ganz genau erklären. Der deutsche Mensch am allerwenigsten.

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Zwei deutsche Männer. Der eine heißt Herr Paul – und das klingt weich und rund und reimt sich auf „faul“. Der andere heißt Herr Helm – und das klingt schneidig, zum Kampfe allzeit bereit.

Herr Paul und Herr Helm sind die Protagonisten, die Widersacher, die feindlichen deutschen Brüder in einem Stück von Tankred Dorst. Daß Herr Paul der Titelheld ist, zeigt schon, wer das Duell am Ende gewinnt. Listigerweise bleibt Herr Paul Sieger, weil er den Kampf überhaupt nicht aufnimmt. Altdeutsche Trägheit triumphiert über neudeutschen Tatendrang. Aber ganz so einfach ist es nicht.

Herr Paul haust untätig in einer riesigen, finsteren Halle: in einer ehemaligen Seifenfabrik. Auf die Straße, in die Stadt geht er nie, das sogenannte Leben interessiert ihn nicht mehr.