DIE ZEIT

Wegweisend

Großes Wehklagen allenthalben: Die Schweizer Regierung fühlt sich von der eigenen Bevölkerung im Regen stehengelassen und hat „die Schnauze voll“; die Westschweizer zeihen die Deutschschweizer der Europafeindlichkeit; und Brüssel grollt und „bedauert“.

Nachrüstung

Er ist aus Holz oder aus Gummi, er mißt 38 Zentimeter, und er ist ein Symbol: der Knüppel des Bobbys. Als sich die Briten 1829 entschieden, ihre Ordnungshüter mit nichts weiter als einem Stock zu bewaffnen, folgten sie einer liberalen Staatsauffassung: Der Bürger soll die Polizei nicht fürchten, sondern respektieren.

Schlummer

Dreizehn Prozent Wachstum in China, das ist doch was. Wer fragt da noch nach dem politischen Preis des Wirtschaftswunders? Dummerweise gibt es einen Störenfried, der es partout genauer wissen will: die Menschenrechtsorganisation Asia Watch.

Worte der Woche

„Deutschland ist nach der Wiedervereinigung so etwas wie ein ausgewachsener Bernhardiner in einem engen europäischen Wohnzimmer.

Zeitspiegel

„Good old England“ hat schon bessere Tage erlebt: In der Zeit des Kalten Krieges sorgte sich 007-Agent James Bond um die Kronjuwelen; heute greift die königliche Palastverwaltung auf die Dienste der Manager von Mickymaus zurück.

Belgrad gibt sich nach dem Ultimatum kompromißbereit: Freundliche Töne

Bei dem Wort „Ultimatum“ runzelt Mihajlo Markovic schon unwillig die Stirn. Die Bemerkung, die bosnischen Serben hätten „gehorcht“, geht dem Belgrader Akademiemitglied, das als „Gehirn Milosevics“ gilt, dann eindeutig zu weit: Schon vor der Angriffsdrohung der Nato hätten sie schließlich ein Waffenstillstandsabkommen mit den Blauhelmen abgeschlossen.

Wolfgang Ebert: Wo der Schuh drückt

Der Regierung ist es hoch anzurechnen, daß sie trotz der Härte des Wahlkampfes nicht die eigentlichen Sorgen der Bürger aus den Augen verliert – selbst die größte Wirtschaftskrise seit 1945 hat die Kanzlerberater nicht davon abgehalten, sich ausschließlich auf die akuten Probleme zu konzentrieren.

Der slowakische Ministerpräsident Mečiar hat sich auch mit Parteifreunden zerstritten. Während er Intrigen schmiedet, fällt sein Land zurück: Boxen für das Überleben

Wer allzuoft zuschlägt, haut leicht daneben. Aber den ehemaligen Amateurboxer Vladimir Mečiar kümmert das kaum, sowenig wie seine nur langsam schwindende Schar von Fans, die immer noch dem Mann zujubeln, der die Slowakei wie ein ungekrönter König einer (wenn auch parlamentarischen) Monarchie regieren möchte.

Die Heimat sucht den Präsidenten heim

Erst war Little Rock nur berühmt, jetzt ist es auch berüchtigt. Beides trägt die kleine Stadt im Südstaat Arkansas, aus dessen Gouverneurspalast Bill Clinton ins Weiße Haus nach Washington aufstieg, gelassen.

Bonner Bühne: Der Gast und die Moral

Wie viele Divisionen hat der Papst? Vielleicht hätte sich der Frankfurter Oberbürgermeister von Schoeler der zynischen Frage Stalins erinnern sollen, bevor er den Dalai-Lama zur 1200-Jahr-Feier der Stadt am Main einlud.

Völkermord und Kriegsverbrechen

Täter aus dem Kriegsgebiet im früheren Jugoslawien können in der Bundesrepublik verfolgt werden, weil für Völkermord das Weltrechtsprinzip gilt.

Die hochgezogene Zugbrücke

Seine zweibändige Friedrich-Engels-Biographie (1919/34) zählt, wie Hans-Ulrich Wehler bemerkt hat, „zu dem kleinen Kernbestand wirklich bedeutender Leistungen“, die die deutsche Geschichtswissenschaft in diesem Jahrhundert hervorgebracht hat.

Co op-Prozeß: Bittere Lehre

Eines der größten Wirtschaftsverfahren dieser Republik sollte er werden: der co op-Prozeß. Zu klären war, wer für den Zusammenbruch des einstigen Handelsriesen verantwortlich war.

Das Umweltgutachten 1994 wurde vorgelegt: Schlechte Noten

Mit dem Umweltschutz ist das so eine Sache: Lippenbekenntnisse zuhauf, Taten weitgehend Fehlanzeige. So ist es in Deutschland seit gut zwanzig Jahren, eben seitdem hierzulande von einer halbwegs systematischen Umweltpolitik die Rede sein kann.

Bonner Kulisse

Zur parlamentarischen Farce gerät der geplante Umbau des Bundesgesundheitsamtes (BGA) in Berlin. Aus Gründen der Sparsamkeit wurde nun sogar kurzfristig eine Informationsreise von drei Abgeordneten des Gesundheitsausschusses nach Japan, USA und Frankreich abgesagt.

Äsylpolitik: Clevere Idee

Die neueste Idee der Amerikaner, um ihre leeren Staatskassen zu füllen, ist ebenso brillant wie einfach: Laßt die Ausländer zahlen! Die Washingtoner Einwanderungsbeamten wollen jedem Asylbewerber rund 200 Mark abknöpfen.

Die Last mit der Politik

Die Zahl der Fremdwörter, die Briten, Amerikaner und Franzosen dem Deutschen entlehnen, ist traditionell eher gering. Jetzt gibt es ein neues: politikverdrossenheit.

Schiff ohne Steuermann

Glanz und Glamour allenthalben: auf der Bühne des prächtigen Berliner Schauspielhauses Scharen von Stars und Sternchen, unten im Parkett rund 900 illustre Gäste und mittendrin die Führungsmannschaft des Springer Verlags – Familienchefin Friede Springer, Aufsichtsratschef Bernhard Servatius und Vorstandschef Günter Prinz.

+ Weitere Artikel anzeigen