In Zeiten der Ratlosigkeit haben Beratungsinstanzen Hochkonjunktur. Da machen auch die Hochschulen keine Ausnahme. So entstand in diesen Tagen in Gütersloh das CHE, das Centrum für Hochschulentwicklung. Höchst bemerkenswert ist in diesem Fall die Allianz der Urheber der Neuschöpfung: An der Gründung des CHE sind zu gleichen Teilen die Hochschulrektorenkonferenz und die Bertelsmann-Stiftung verantwortlich. Das ist zunächst einmal – von jeder näheren Aufgabenbestimmung des Zentrums abgesehen – eine unverhohlene Mißtrauenserklärung an die Hochschulpolitik. Die Hochschulen – alleingelassen mit Eckdaten, Strukturvorgaben, Gesetzen und unerfüllbaren Reform-Anforderungen – suchen Rat und (finanzielle) Hilfe nicht bei ihrem Arbeitgeber, dem Staat, sondern bei einer privaten Stiftung.

Wer halbwegs vertraut ist mit dem Hochschul-Engagement der Bertelsmann-Stiftung und ihres Vorsitzenden Reinhard Mohn, kann sich unschwer vorstellen, in welche Richtung dieser Rat geht und worin folglich die Aufgaben des CHE bestehen. Es sollen vor allem neue Steuermechanismen für das Hochschulsystem erarbeitet werden, durch Wettbewerb und Leistungsmessung, durch Privatisierung einzelner Bereiche, Finanzmittelmanagement, Personal- und Organisationsentwicklung und dergleichen mehr.

Auch wenn manchen das Grausen ankommt ob dieser knallharten Diktion, ohne effektives Management wird sich die Hochschulmisere nicht beseitigen lassen. Da liegt das CHE ganz richtig. Daß das deutsche Hochschulwesen nun an Bertelsmann-Mohn genesen soll, bleibt gleichwohl ein Armutszeugnis – für die Hochschulen genauso wie für die Politik. Sabine Etzold