Die Hitachi-Fähren werden von jeweils zwei Dieselmotoren mit zweimal 2500 Pferdestärken angetrieben. Statt Schrauben sorgen vibrationsarme Wasserjets für siebzig Stundenkilometer. Dabei wird Wasser auf ähnliche Art und Weise durch schmale Kanäle gedrückt wie das Medium Luft beim Flugzeugdüsenmotor.

Die schwedische Fluglinie SAS, die seit 1984 Fluggäste mit einem Luftkissenboot im Eiltempo von Malmö zum Kopenhagener Flughafen bringen läßt, sattelt demnächst auf Katamaran um. Die Zahl der Fluggäste, die den Shuttle-Service nutzen, stieg zuletzt auf jährlich 350 000. Zwar gibt es jetzt größere Hoovercraftboote, aber vom neuen Katamaran, der im April zu Wasser geht, verspricht sich die Fluglinie mehr Tempo und Unabhängigkeit von der Wetterlage.

Die Hamburger Werft Blohm + Voss befaßt sich seit der zweiten Hälfte der achtziger Jahre mit Schnellen Schiffen für zivilen und militärischen Gebrauch. Zwei Entwicklungslinien werden verfolgt: Einrumpfschiffe für Tempo 65 bis 75 und schnittige Luftkissen-Katamarane für 90 Sachen. „Surface Effect Ships“ – kurz SES – nennt der Fachmann diese Hybridboote: halb Katamaran, halb Hoovercraft.

Ein SES-Prototyp namens Corsair durchpflügt seit 1989 die Kieler Förde. Blohm + Voss hat ihn auf eigene Kosten entwickelt. Der Tiefgang dieses Fahrzeugs, für das sich Bundeswehr und andere Armeen interessieren, beträgt wegen des Luftkissens nur fünfzig Zentimeter, was den Einsatz in seichten Gewässern erlaubt.

Zwei dieselmotorisch angetriebene Ventilatoren bringen den Korsaren zum Schweben. Achtzig Prozent des Bootsgewichts ruhen auf dem Luftkissen. Die kaum ins Wasser eintauchenden Rümpfe dichten dennoch hunderprozentig ab, nur an Bug und Heck gibt es Gummischürzen. Die Luftfederung genügt Blohm + Voss nicht: Ein computergesteuertes „Ride Control System“ dämpft den Ritt auf den Wellen zusätzlich. Dazu wurde der Raum zwischen den Rümpfen in vier Kammern aufgeteilt. Kommt ein Brecher, öffnet der Computer kurz Klappen in den Kammern, Luft entweicht, das Kissen bricht für einen Augenblick, aber nur an dieser Stelle, zusammen. Die Welle läuft ins Leere. Blohm + Voss will damit schon Windstärke elf bei knapp vierzig Stundenkilometer Fahrt heil überstanden haben.

Dieser Bootstyp eignet sich außer für militärische Einsätze in gemischten Gewässern auch für Küstenpatrouillen und die Jagd auf Hochseepiraten. Militärs und Behörden müssen allerdings sparen, weshalb die Hamburger Schiffbauer von einer zivilen Variante mehr erwarten. Baufertig sind Pläne für einen über sechzig Meter langen Typ, der eines Tages Wilhelmshaven, Helgoland und Sylt im Blitzverkehr verbinden soll. Die Corsair 600 faßt 800 Passagiere sowie 56 Pkw oder vier Busse und 36 Autos. Die Reisegeschwindigkeit liegt nahezu bei Tempo achtzig: um das Zwei- bis Zweieinhalbfache schneller als herkömmliche Fährschiffe. Das würde das Hamburger High-Tech-Schiff zur schnellsten Fähre der Welt machen. Der veraltete Propellerantrieb mußte dem moderneren Waterjet weichen. Auf Leichtbaukatamaranen ist kein Platz für Monsterdiesel. Statt dessen treibt eine knapp 17 000 Pferdekräfte starke Gasturbine das Schiff vorwärts.

Die Antriebsleistung setzt der Größe von Passagier- und Frachtkatamaranen freilich Grenzen. Seegehende Container-Frachtschiffe mit schwerer Tonnage will die Hamburger Schiffsbaufirma deshalb weiterhin nur mit einem Rumpf anbieten. Auf Binnengewässern sieht es hingegen anders aus. Für diese arbeitet Blohm + Voss an einem 110 Meter langen Hochgeschwindigkeits-Binnenschiff in SES-Bauart für den Transport von fünfzig Lkw-Trailern. Der Fluß-Kat steht einem Lastkraftwagen im Tempo in nichts nach. Und Staus kennt Vater Rhein ebensowenig wie das Lkw-Sonntagsfahrverbot. Auch mit Niedrigwasser im Sommer hat ein luftgepolsterter Katamaran keine Mühe. Der Straße winkt Entlastung.