Von Ralph Frädtke

Wir müssen am Boden schneller werden“, fordert Hemjö Klein, Vorstandsmitglied der Deutschen Lufthansa, und deutet damit ein Problem an, das nicht nur seine Fluggesellschaft beschäftigt: den Zeitverlust bei der Abfertigung am Flughafen. Weil die Zahl der Passagiere ständig wächst, werden die Warteschlangen an den Schaltern immer länger. Das ärgert vor allem vielfliegende Geschäftsreisende mit knappem Zeitbudget. Um diese Kunden nicht zu vergraulen, versuchen die Airlines stärker als bisher den Aufenthalt vor dem Abflug zu verkürzen.

Was im amerikanischen Luftverkehr bereits seit Jahren zum Alltag gehört, kommt langsam auch in Europa in Mode: der „Automatic Ticket and Boarding Pass“ (ATB). Der neue Flugschein, der gleichzeitig eine Bordkarte ist, speichert auf einem Magnetstreifen neben den üblichen Flugdaten fast alle Informationen, die bei der herkömmlichen Abfertigung noch per Hand am Computer eingegeben werden. Dazu gehören zum Beispiel Flugnummer, Sitzplatz, Name und Bordklasse. Beim Check-in braucht dann nur noch das Reisegepäck aufgegeben und – bei Gästen ohne Reservierung – die Platznummer eingetippt werden. Gate und Abflugzeit druckt der Rechner automatisch auf das Ticket.

Fast alle großen europäischen Fluggesellschaften setzen mittlerweile auf den ATB, der in den nächsten Jahren weltweit die bisherigen Flugscheine ablösen wird. Nach Erfahrungen der Lufthansa in Frankfurt, Düsseldorf und Hannover verkürzt sich dadurch die Abfertigung bis zu einer Viertelstunde. Wieviel Zeit die neuen Tickets wirklich einsparen helfen, wird man jedoch erst sehen, wenn die alten Coupons ausrangiert sind. Das kann in Europa allerdings noch eine Weile dauern, denn es gibt kaum Reisebüros mit den passenden Druckern für den ATB. So kann man die Tickets bisher nur bei den Airlines direkt kaufen.

Die Flugscheine beschleunigen aber nicht nur die Abfertigung an den Schaltern, durch den Magnetstreifen auf der ATB-Karte können Passagiere, die nur Handgepäck haben, an Automaten sogar selbst einchecken: Der Passagier schiebt sein Ticket in das Gerät, bestätigt seine Reservierung am Bildschirm per Fingerdruck und wählt anschließend seinen Sitzplatz aus. Nach wenigen Sekunden spuckt der Apparat die Karte wieder aus – mit Einsteigezeit, Gate und Sitznummer. Der ganze Vorgang dauert etwa zwei Minuten. Dieser Service ist vor allem für erfahrene Vielflieger gedacht, die weniger Scheu als andere Fluggäste vor einem anonymen Gerät haben. Der Check-in am Schalter wird jedoch auch in Zukunft bestehen bleiben.

Die amerikanischen Gesellschaften Delta und American Airlines haben mit dem Selbstbedienungsservice in den USA schon gute Erfahrungen gemacht. Ebenso SAS und Air France in Europa. Auch Lufthansa, die solche Automaten seit fast einem Jahr an den Flughäfen Düsseldorf, Frankfurt, Hannover und Köln/Bonn testet, meldet: „Das Angebot läuft gut.“

Mit diesem Service sind die Möglichkeiten aber noch nicht erschöpft: Man kann sich an den gleichen Automaten außerdem auch vorausbezahlte Flugscheine ausstellen lassen. Nötig ist dazu eine Kundenkarte der jeweiligen Airline oder eine Kreditkarte.