Geschichten über Eskimos, Pygmäen und Indianer sind oft Berichte hochgebildeter Völkerkundler über Gewohnheiten und Traditionen dieser Ethnien. Die Ethnologen forschen mit allen Mitteln der Wissenschaft, lassen sich aber nur selten auf ein Leben am Ort selbst ein. Der junge Amerikaner Louis Sarno dagegen schlägt sich mit einem Aufnahmegerät und wenig Geld in der Tasche zu den Bayaka im Südwesten der Zentralafrikanischen Republik durch, ißt mit den Pygmäen Kaulquappensuppe und erwirbt ihr Vertrauen. Sarno kam wegen der Musik der Bayaka und lernte die Menschen lieben, die diese Musik machen. Er hat darüber ein Buch geschrieben.

Der Mut dieses Mannes, sich einzulassen auf ein Leben mit Malaria, Durchfall und allen nur denkbaren Enttäuschungen nötigt Respekt ab, gerade wenn man an die gewöhnlich angenehm dotierten Forschungen der Ethnologen aus Europa und Amerika denkt.

Sarnos Selbsteinschätzung als Heilsbringer, der von den Bayaka gerufen wurde, ist allerdings peinlich. Der Amerikaner hat gewiß viel für sie getan. Aber das Loblied auf ihn sollten wohl besser die Bayaka selbst singen.

Louis Sarno versteht sicher viel von Musik, aber leider nicht allzuviel vom Schreiben. Von einem Bruce Chatwin und seinen ethnologischen Geschichten ist Sarno Lichtjahre entfernt. Man braucht schon einen langen Atem, um über 400 Seiten mit endlosen Beschreibungen der Tänze und Gesänge durchzuhalten.

Faszinierend an diesem Buch ist die Beschreibung des Alltagslebens und die Diskrepanz im Verhalten der Bayaka: betrunken und hilflos, wenn sie im afrikanischen Dorf sind, selbstsicher und gewandt im Urwald. Die Schilderung der in aller Öffentlichkeit ausgetragenen Liebesprobleme wirkt anrührend und stimmt nachdenklich. Schließlich wissen wir: Wenn der Autor nicht über Pygmäen geschrieben hätte, sondern über Bayern oder Zulus, wäre es wohl schwer gewesen, einen Verlag für das Buch zu finden. Christoph Plate