Die Zeit drängt – nicht nur beim Thema Zusatzstoffe. Auch bestrahlte Lebensmittel werden wohl bald in deutschen Regalen liegen, obwohl dieses Konservierungsverfahren in der Bundesrepublik verboten ist. Vor ein paar Wochen hat eine französische Gewürzfirma den ersten Schritt gemacht. Sie will bestrahlten Pfeffer für die Lebensmittelindustrie importieren. Noch prüfen die Beamten vom Bundesgesundheitsministerium den Antrag, doch sie werden um ein Ja wohl nicht herumkommen.

Wie bei den Zusatzstoffen gilt in der Europäischen Union das Prinzip der gegenseitigen Anerkennung auch für Lebensmittel, die mit ionisierenden Strahlen behandelt sind. In vielen anderen Mitgliedsstaaten ist die Bestrahlung längst erlaubt. Die Niederländer töten damit Salmonellen in den Garnelen ab, die Belgier schützen so ihre Erdbeeren vor Schimmel, Italiener und Spanier stoppen mit Strahlen das Keimen von Zwiebeln oder Kartoffeln, und die Franzosen dürfen Knoblauch und Hühnerfilets durch die Bestrahlungsanlage schicken.

Die deutschen Verbraucherschützer aber lehnen bestrahlte Produkte strikt ab. Ihr Hauptargument: Derart behandelte Lebensmittel täuschten eine nicht vorhandene Frische vor. Zudem haben viele Bürger gesundheitliche Bedenken, die wissenschaftlich allerdings nicht eindeutig zu belegen sind.

Die Bundesrepublik kämpfte bisher in Brüssel vehement gegen die Bestrahlung. Lediglich bei Gewürzen, die extrem häufig mit Bakterien und Schimmelpilzen kontaminiert sind, war die Bonner Delegation zum Einlenken bereit. Doch sie forderte dafür, auch kleinste Mengen bestrahlter Zutaten müßten auf der Lebensmittelpackung deklariert werden. Was aber, wenn der Paprika in der Salami auf der Tiefkühlpizza bestrahlt ist? Die Verhandlungen scheiterten.

Noch vor wenigen Monaten schien es undenkbar, daß sich die Europäer in nächster Zeit auf eine Richtlinie einigen würden. Doch wie bei den Zusatzstoffen könnten die Deutschen nun schon bald auf einen schnellen Kompromiß drängen. Zwar werden sie auch dann bestrahlten Pfeffer in der Wurst kaum verhindern, doch den deutschen Verbrauchern könnte zumindest das bestrahlte Müsli aus Frankreich erspart bleiben, rz