Bist eulen? fragt verzagt der Dichter, der Dichter Jandl, doch wir alle, die wir über Büchern hocken, Traktate verfassen, Gedichte, Wirtschaftskonjunkturberichte, gestehen es gern: Ja, Eulen sind wir, Eulen sind uns die liebsten Vögel, und wenn die Nachtigall endlich eingenickt ist und die Lerche noch schnarcht, dann ist Eulenzeit, und die Gedanken sind frei!

Alles über den Vogel der Weisen und Gescheiten, der Hexen und Trinker, der Dichter und Denker, den Vogel, den die meisten anderen Vögel (Spießer!) nicht mögen, der manchmal Glück verheißt, manchmal den Tod und immer Trost, in einem Buch – davon haben wir in euliger Nacht schon manchmal geträumt. Alles über „Eulen in der Natur und die Natur der Eule“, über „Eulendarstellungen von der Antike bis zum späten Mittelalter“ und „Eulenpokale der Renaissance“, über „realistische und satirische Darstellungen“ und, natürlich, die „Eulensymbolik unserer Tage“ ... das bietet, ornithologisch-ökologisch gefestigt und eingebettet in einen herrlichen Bilder-Horst aus hoher Kunst und tiefstem Kitsch, das schöne Buch der Volkskundlerin Gertrud Benker „Eule und Mensch“ (Eulen Verlag, Freiburg 1993; 144 S., Abb., 49,80 DM), aus dem auch die beiden Abbildungen auf unseren Literaturseiten entnommen sind. Oben eine Zeichnung von Caspar David Friedrich, „Landschaft mit Sarg, Grab und Eule“, um 1836 (Ausschnitt); auf der rechten Seite eine Studie des englischen Malers William Turner. B.E.