In jener Nacht vom 13. auf den 14. April 1950 schien alles zu Ende. Truppen der Volksmiliz drangen ins Kloster ein. verhafteten die Ordensbrüder, beschlagnahmten die gewaltige Anlage. Wo mehr als 750 Jahre lang gebetet und gearbeitet, gepredigt und gelehrt worden war, wo durch die Wirren der Reformation, des Dreißigjährigen Krieges und aller politischen Wechselbäder der katholische Glaube seine Bastion bewahrt hatte, nistete sich nun das Militär ein.

In dem Park, in dem einst die Mönche meditierten, exerzierten bald darauf Soldaten, das Konventsgebäude wurde in eine Kaserne umgewandelt. Das Schicksal des berühmten böhmischen Prämonstratenserklosters Tepl (Teplä) schien damit besiegelt zu sein.

Aber die Ordensbrüder verloren ihren Glauben nicht und auch nicht die Hoffnung, eines Tages wieder zurückkehren zu können. Pater Hugo zum Beispiel, damals noch Novize, überstand Haft und Schauprozeß, lebte als Fabrikarbeiter. Heimlich aber sammelte er schon einmal Möbel für den Tag, an dem Tepl wieder den Prämonstratensern gehören würde.

Heute beherrschen Baugerüste die Szenerie. Bereits frühmorgens dringt der Lärm der Handwerker über den Hof. Sie haben viel zu tun, um dem Kloster nach vierzig Jahren Vernachlässigung seinen alten Glanz zurückzugeben. Die Melancholie des Verfalls liegt über dem weitläufigen Areal. Der Putz bröckelt. Die Farben haben ihre Kraft verloren. Aber die Prämonstratenser sind sicher, daß sie die Anlage sanieren, den wuchernden Garten wieder in einen englischen Park verwandeln, dem Kloster neue Verdienstquellen verschaffen können. Was sind, gemessen an dieser Zuversicht, schon die fünfzehn Millionen Dollar, die sie zur Renovierung noch brauchen?

Am 19. Juli 1990 hatten die Prämonstratenser ihr Kloster zurückerhalten. Am 1. Januar 1991 übernahmen sie wieder die Verwaltung.

Die Abteikirche hatte als Museum die gottlose Zeit überstanden, war nie ganz dem Verfall preisgegeben. Sie läßt Ehrfurcht aufkommen in ihrer etwas düsteren Pracht. Wieder zurück in ihrer Kapelle sind die Gebeine des seligen Hroznata, des böhmischen Edelmanns und Märtyrers, der im Jahre 1193 das Kloster gegründet hatte. Gegen den Bestechungslohn von zwei Flaschen Sliwowitz waren sie gerettet worden.

Ein weiterer Schatz, wenn auch partiell geplündert, ist den Ordensbrüdern erhalten geblieben: die nahezu hunderttausend Bände zählende Bibliothek, für die erst zu Anfang dieses Jahrhunderts in neobarockem Stil ein eigenes Gebäude geschaffen worden war. Zur zweitgrößten Bibliothek Böhmens zählen 660 Handschriften und mehr als 500 Inkunabeln, die meisten in deutscher Sprache, darunter eine der frühesten Bibelübersetzungen. Bei Führungen können die Kirche und der Prunksaal der Bibliothek besichtigt werden.