Von Peter Freyberg

Kann auch der Urlaub Steuern kosten? Er kann – freilich nicht für "Otto Normalverbraucher", der die schönsten Wochen des Jahres im Hotel auf Mallorca oder.im eigenen Ferienhaus auf Sylt verbringt. Betroffen sind aber die Eigner von Time-sharing-Anteilen, die sich für einen Beitrag von mehreren tausend oder sogar zehntausend Mark ein lebenslanges "Urlaubsrecht" in einer ganz bestimmten Ferienwohnung oder in einem Time-sharing-Pool gekauft haben. Unter bestimmten Voraussetzungen gelten für sie die "schönsten Wochen des Jahres" als "Einkünfte aus Kapitalvermögen" – und damit hält Vater Staat seine Hand auf.

Ausgelöst wurde die Diskussion durch Europas größten Anbieter von Ferienwohnungen auf Time-sharing-Basis, die Schweizer Hapimag. Mehr als 70 000 Bundesbürger haben sich bisher mit knapp 8000 Mark Einstiegssumme das dauerhafte Recht gesichert, in einer der rund 3000 meist komfortabel ausgestatteten Ferienwohnungen des Unternehmens eine bestimmte Zeit Urlaub zu machen.

Die Details sind genau geregelt: Jede Hapimag-Aktie wirft pro Jahr zwölf sogenannte "Wohnrechtspunkte" ab. Für eine Woche Urlaub zwischen Porto Heli in Griechenland und Punkasalmi in Finnland werden je nach Wohnungsgröße und Saison zwischen 4 und 24 Wohnrechtspunkte berechnet. Extras wie Strom und Wasser werden separat abgerechnet, der Aktionär bezahlt darüber hinaus rund 200 Mark Jahresobolus an die Verwaltung im eidgenössischen Baar.

Billig ist der Hapimag-Urlaub mithin nicht: Für einen zweiwöchigen Urlaub in der Hauptsaison werden regelmäßig 48 Punkte benötigt, das hierfür erforderliche Anlagekapital würde trotz der niedrigen Kapitalmarktrenditen bei Bank oder Sparkasse locker 2000 Mark Zinsen pro Jahr bringen. Addiert man alle Nebenkosten und berücksichtigt man auch die durch die individuelle Anreise oft höheren Reisekosten als bei Pauschalarrangements, ist der Hapimag-Urlaub also mindestens so teuer wie die Unterbringung in einem vergleichbaren, frei vermieteten Objekt, bei dem der Urlaubswillige weder lange Vorausbuchungsfristen einhalten noch sich jahrzehntelang an einen Anbieter binden muß. Dafür schätzen Hapimag-Eigner freilich das gehobene Ambiente in den meisten Anlagen und die zuverlässige Qualität der Ausstattung.

Vater Staat sieht nun – untermauert durch zwei Urteile des Bundesfinanzhofs (AZ: IR 32/92 vom 16. Dezember 1992 und IR 44/92 vom 26. August 1993) – die Hapimag-Urlaube nicht als Freizeitvergnügen. Vielmehr sei der Aktionär als Kapitalgeber an einer Kapitalgesellschaft beteiligt. Selbst wenn die als Aktiengesellschaft firmierende Hapimag nach deutschem Recht vielfach mit einer Genossenschaft verglichen wird, handele es sich bei den Erträgen um Einkünfte aus Kapitalvermögen, die als solche steuerpflichtig sind. Als Zeitpunkt für die Besteuerung sieht der BFH das Jahr an, in dem der Anteilseigner seinen Urlaub mit Hapimag verbracht hat.

Die Münchner Richter widersprachen freilich den Vorinstanzen, die eine pauschale Besteuerung von 5,5 Prozent des Kapitaleinsatzes gefordert hatten: Maßgeblich sei vielmehr der Nutzungswert der Ferienwohnung. Hapimag muß daher jetzt für jeden Urlaub ihrer Kunden einen Mietpreis nennen, der für ein Vergleichsobjekt in ähnlicher Lage und mit ähnlicher Ausstattung am jeweiligen Zielort zu bezahlen wäre. Dieser Betrag unterliegt dann der Steuerpflicht, wobei der Anteilseigner – soweit noch nicht anderweitig geschehen – den seit Jahresbeginn 1993 auf 6000/12 000 Mark (Alleinstehende/Verheiratete) erhöhten Sparerfreibetrag in Anspruch nehmen kann. Einen Zinsabschlag oder gar einen Freistellungsauftrag analog zum deutschen Wertpapierdepot gibt es jedoch nicht: Da das Unternehmen in der Schweiz ansässig ist, ist der Anteilseigner selbst für die ordnungsgemäße Deklaration seiner Beteiligung verantwortlich.