DIE ZEIT

Mit Tempo

Hätte jemand in der Neujahrsnacht 1993/94 vorhergesagt, was derzeit in Bosnien geschieht, wäre es als Silvesterscherz abgetan worden: Die Serben vor Sarajevo haben ihre schweren Waffen weitgehend abgezogen; die Menschen in der Hauptstadt suchen sich in einem Alltag ohne Artillerie zurechtzufinden; Muslime und Kroaten schließen sich nach Monaten erbitterten Kampfes in einem Staat zusammen; der Flughafen Tuzla, lange unter serbischem Beschuß, wird für eine zweite Luftbrücke geöffnet.

Verlogen

Im Atomkraftwerk Biblis A hat eine Kühlpumpe gekokelt, und schon brennt es in den Umweltministerien von Bonn und Mainz lichterloh.

Worte der Woche

„Das wäre ja so, als ob wir auf die Japaner reagieren, indem wir den Freitag als Arbeitstag streichen, und wenn die Koreaner und die Chinesen kommen, streichen wir den Donnerstag und den Mittwoch.

Zeitspiegel

Wer sagt da immer, in Rußland gehe es politisch drunter und drüber? Der Stern von Präsident Boris Jelzin mag sinken, die Regierung in Moskau jedoch ist hellwach und allzeit bereit, den Herausforderungen der Zeit zu begegnen.

Deutschlandradio-Intendant Elitz soll einen Ost- mit einem Westsender verschmelzen: Gelingt die Einheit im Äther?

Ein leitender Redakteur im Funkhaus Berlin des Deutschlandradios fragt zweifelnd: "Ob der Elitz weiß, was da auf ihn zukommt?" Auf Ernst Elitz, den in der vorigen Woche gewählten Intendanten des neuen Senders, kommt einiges zu: Er muß die Programme des monolithischen und bewegungsunwilligen Funkhauses Köln (ehemals Deutschlandfunk) und des qualvoll zusammengezimmerten Funkhauses Berlin (ehemals Rias und Deutschlandsender Kultur) miteinander verzahnen.

Bis zur Erschöpfung rang Brüssel um ein größeres Europa. Doch Norwegens EU-Beitritt fiel ins Wasser: Heim ins Laich

Meist ist Klaus Kinkel ein gesprächiger Mann, zumal wenn ihm jemand ein Mikrophon unter die Nase hält. Doch am Dienstag mittag dieser Woche, als im Brüsseler Ministerrat der Beitritt Norwegens zur Europäischen Union noch immer auf der Kippe stand und der Streit um Kabeljau, Marktzugang und Ressourcenmanagement nicht enden wollte, da hätte der deutsche Außenminister am liebsten geschwiegen.

Populistische Gesetzesverschärfungen bringen nicht mehr innere Sicherheit: Billige Tricks gegen die Angst der Bürger

Vor der großen Wahlschlacht über das Thema innere Sicherheit hat die Aktion "Klar Schiff" begonnen. Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU) wird, wie er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zu Wochenbeginn ankündigte, den Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Hans-Ludwig Zachert, entmachten und den unkündbaren Laufbahnbeamten in eine kollegiale Führung des BKA einbinden.

Frankreich löst den "Code Napoleon" ab: Mehr Sicherheit

Es sollte ein modernes Strafrecht werden, im Einklang mit den Werten unserer Zeit, der Demokratie und den Menschenrechten – genauso wie vor zwei Jahrhunderten, als der "Code Napoleon" die revolutionären Werte der Souveränität des Volkes und der Gleichheit der Bürger hochhielt.

Ein Plädoyer für die Renaissance einer Politik, die sich mutig auf die veränderte Welt einläßt: Durchwursteln hilft nicht mehr

So viel intellektuelle Flaute war selten, und das in so stürmischer Zeit. Die alte politische Welt – vor 1989 – lebte von der Überzeugung, daß Politik einen Sinn habe, einen Unterschied mache, daß sie auf gute oder auf böse, auf banale oder auf dramatische Weise in das Leben der Menschen eingreife und sich deshalb mit Ideen, mit guten Gründen legitimieren müsse.

Politisiert - und unentschieden

Vielleicht sollten wir langsam umdenken? Daß die Bürger von der Politik nichts mehr wissen wollen und die Verdrossenheit die Leute massenhaft in die Wahlenthaltung treibt – diese modischen Gemeinplätze finden in unserer ersten Umfrage zur Wahlzeit keine Stütze.

KLAUS HARTUNG: Die Ecke

BERLIN. – Im städtischen Selbstverständnis hat die Ecke eine besondere Bedeutung. Von der Ecke her organisiert sich das Straßenleben.

Handel: Schwere Waffe

Wer dem Freihandel zum Durchbruch verhelfen will, braucht vor allem Zeit. Genau daran aber mangelt es dem amerikanischen Präsidenten.

Benzin: Billiger Sprit

Niemand fühlt sich so geschröpft wie die Autofahrer. Vor zwanzig Jahren konnten sie Benzin noch für siebzig Pfennig pro Liter zapfen, heute werden sie selbst gemolken, mit rund 1,50 Mark pro Liter Sprit.

Tourismus: Gute Reise

Schade, wir werden sie künftig missen müssen, die mitleiderregenden Reportagen über die leidenden Urlauber – mit und ohne Kinder, mit und ohne Sonnenbrand, aber in jedem Fall mit viel Gepäck die mühselig die billigsten Angebote ergattert haben, dann aber von skrupellosen Reiseveranstaltern an den schönsten Plätzen der Erde sitzengelassen wurden.

Bonner Kulisse

Der CDU-Abgeordnete und frühere Hauptgeschäftsführer der CDU-Sozialausschüsse Heribert Scharrenbroich ist sachlich wie persönlich unumstritten.

Riskante Rochade

Im Bonner Finanzministerium wird derzeit eine Operation vorbereitet, durch die Theo Waigel 2,5 Milliarden Mark entgehen können, wenn er nicht höllisch aufpaßt.

Rudolf Engen: Raffer, Gaffer, Paffer

Keine Themen? Totes Rennen? Am 16. Oktober tote Hose? „Keineswegs“, sagt Direktionsassistent Dr. Günter P. „Mit unserer neuen, aufs Unterbewußtsein zielenden Umfragemethode haben wir herausgefunden, was die Menschen in diesem unserem Land tatsächlich bewegt.

Verlorenes Ansehen

Was denken die sich eigentlich in Brüssel? Immer häufiger stellen deutsche Politiker diese Frage und liefern die Antwort gleich mit: Brüssel behindert deutsche Umweltpolitik, Brüssel läßt deutsche Schweine abschlachten, Brüssel enteignet Bauern in den neuen Bundesländern, Brüssel überzieht Deutschland mit unsinnigen Vorschriften.

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