ZEIT: Ihre Autobiographie beschreibt Ihre Ehe mit einem der führenden Politiker des Landes als ein Leben der Lüge: nach außen hin herrscht Glanz, im Haus aber ist brutale Gewalt und Abhängigkeit. Ist das eine typische Erfahrung für die Frauen in Ihrem Land oder nur ein Upperclass-Problem?

Tehmina Durrani: Nein, sie ist typisch für mein Land. Seit Jahrhunderten wurde uns Frauen beigebracht, daß uns eine inferiore Position zukommt. Uns wurde gelehrt, den Männern zu gehorchen. Alles andere gilt als falsch. Falsch sogar in den Augen der Frauen.

ZEIT: Gewalt gegen Frauen ist kein pakistanisches Problem.

Durrani: Sie ist in der muslimischen Welt selbstverständlich, weil sie durch Tradition und verfälschte Auslegung des Islam legitimiert zu sein scheint. Im Koran aber gibt es keine Diskriminierung eines Geschlechts.

ZEIT: Verlangt der Koran nicht die Unterordnung der Frau unter den Mann?

Durrani: Man spricht immer abfällig von der Stellung der Frau im Islam – aber das wichtigste religiöse Ereignis im Leben eines Muslim ist die Hadsch, die Pilgerreise nach Mekka. Die Hadsch ist benannt nach Hadschra, der Frau Abrahams. Sie war eine schwarze Sklavin – und sie bekam die wichtigste religiöse Funktion. Aber darüber wird nicht gesprochen.

ZEIT: Sie lieben Ihre Religion?