Von Frank Drieschner

Der Mann ist 41, sieht um die Augen herum schon recht zerknittert aus und hat im Bart graue Haare. Außerdem hat er ein kenntnisreiches Buch über die Geschichte der Philosophie geschrieben. Es kann also nicht an seinem Äußeren liegen und nicht an mangelnder Bildung, daß der norwegische Schriftsteller Jostein Gaarder ("Gordr") bisweilen wie ein großer Junge wirkt. Aber welcher Erwachsene könnte sich für das Leib-Seele-Programm begeistern, als hätte er es gerade selbst entdeckt?

"Wenn ich entscheide, daß sich meine Hand vom Tisch erheben soll, und sie tut es, was geschieht dann? Und wenn ich zum Bus laufe, wieso kann ich dann an etwas ganz anderes denken, während meine Füße weiterlaufen?" Gaarder strahlt: Ist das nicht toll?

Kinder stellen solche Fragen: Woher kommt die Welt? Wachsen Möbel? Haben Spinnen Münder? Und Philosophen stellen sie: Wo komme ich her? Wohin gehe ich? Was ist der Mensch?

"Sofies Welt" ist laut Untertitel ein "Roman über die Geschichte der Philosophie" (in deutscher Übersetzung von Gabriele Haefs im Carl Hanser Verlag erschienen). Die Philosophie, sagt Gaarder, sei auf den Marktplätzen der griechischen Stadtstaaten entstanden. "Ich wollte sie auf den Marktplatz zurückbringen."

Da ist sie nun: Gerade wird in den deutschen Buchläden die 12. Auflage der Übersetzung verkauft. "Sofies Welt", immerhin ein Wälzer von 600 Seiten, ist das erste Jugendbuch, das in Deutschland je auf einer Bestsellerliste stand.

Für den Autor bedeutet das: ein Leben auf Tournee. Die Hamburger Universität hat ihren prächtigen Kuppelsaal zur Verfügung gestellt, denn: "Der Referent des Abends ist ein norwegischer Philosoph, dem es offensichtlich sehr erfolgreich gelungen ist, auch schwer verständliche philosophische Themen einem breiten Publikum nahe zu bringen, ohne dabei in die Trivialisierung philosophischer Erkenntnisse zu verfallen" – so urteilen, wohl nicht ganz ohne Neid, die Berufsphilosophen.