Die Westdeutsche Landesbank, die Kölner Stadt- und Kreissparkassen, die Stadtwerke (zusammen 25,1 Prozent) hatten sich wohl vor allem auf Anraten der Düsseldorfer Staatskanzlei engagiert. Über gar keine Fernseherfahrung verfügte auch der Süddeutsche Verlag, der mit 20 Prozent bei Vox einstieg und dafür 80 Millionen Mark zuschoß.

Weil sich der Süddeutsche Verlag (SV) hinters Licht geführt fühlte, stellte er seine Verlustausgleichszahlungen im ersten Quartal (11 Millionen Mark) ein und verließ das sinkende Schiff. Damit brachte er die Kettenreaktion in Gang.

Ob und wie es nun in Köln weitergehen soll, das weiß wohl nur Bertelsmann. Eines aber ist sicher: Die jetzigen Verhandlungen sind ihnen ungeheuer peinlich. Denn Vox ist nicht nur das Opfer gehöriger Fehleinschätzung, sondern auch eines „mörderischen Geschäfts“. Der Sender sollte als ein weiteres Vollprogramm auf Rang fünf unter den Großen katapultiert werden. Das verhinderten nicht etwa die Bertelsmann-Gegenspieler Kirch und Springer, sondern die eigenen Verbündeten: der Luxemburger Medienriese CLT und die Essener WAZ-Gruppe.

Bertelsmann, CLT und WAZ sitzen gemeinsam bei RTL am Tisch. Alle drei müssen sich früh über die Notwendigkeit eines weiteren, von ihnen dominierten Senders einig gewesen sein. Zumal die SPD-regierten Bundesländer Hessen, Saarland, Nordrhein-Westfalen und Bremen noch eine flächendeckende Frequenzkette, die sogenannte Westschiene zu vergeben hatten. Die durfte keinesfalls an die Kirch-Konkurrenz (Sat 1, Pro 7, Kabelkanal, DSF) fallen. Die NRW-Staatskanzlei gab Bertelsmann den Zuschlag. Die Gütersloher wagten einen Alleingang, CLT und WAZ blieben außen vor.

In der Folgezeit unterließen die beiden keine Gelegenheit, Bertelsmann zu attackieren, ja sie drohten mit einem Rausschmiß bei RTL, wenn die Gütersloher nicht von ihrem Vox-Engagement lassen würden. Bertelsmann machte Friedensangebote, die beiden lenkten schließlich ein, waren aber für Vox nicht mehr zu gewinnen. Hinfort bot Bertelsmann die Vox-Anteile wie Sauerbier an. Kein großer Medienkonzern biß an. Statt dessen warteten WAZ und CTL ab, bis sich der Sender selbst erledigte. Für sie war das offenbar nur eine Frage der Zeit.

Jetzt muß ein resignierter Manfred Lahnstein gute Miene zum bösen Monopoly-Spiel machen. Denn dieser Tage klopften WAZ und CLT nun ihrerseits an, wegen der freiwerdenden Vox-Frequenzen. Bertelsmann befindet sich in einer denkbar schlechten Verhandlungsposition. Inzwischen ist der deutsche Fernseh-Werbemarkt aufgeteilt. Die großen Stücke vom Kuchen liegen der Reihenfolge nach bei RTL, Sat 1, Pro 7, ARD, ZDF. An die Kleinen fallen nur Krümel. RTL ist bisher der einzige Sender, der die Anlaufverluste an seine Gesellschafter zurückzahlen konnte und Gewinne macht.

Ein weiteres Vollprogramm wird sich auf diesem Markt nicht mehr positionieren können; Bertelsmann hat seine Chance vertan. Jetzt wird der Markt bereinigt. Zusammen mit der CLT und WAZ können die Gütersloher nur noch eine Nische besetzen: WAZ und CLT haben bereits ihr Interesse an einem bundesweiten Rahmenprogramm für Lokal-TV-Anbieter signalisiert. Scheitern sie mit diesen Plänen, wird die Düsseldorfer Staatskanzlei die Frequenzen wohl RTL 2 anbieten, um den Sender in Nordrhein-Westfalen zu halten.

Lahnstein muß also jetzt entweder vor aller Augen neue Gesellschafter wie Kaninchen aus dem Hut zaubern – im Gespräch sind CanWest, Tele München. Oder er muß eine Kröte schlucken und CLT und WAZ die Vox-Frequenzen zu Spottpreisen überlassen. Oder aber Lahnstein beißt in den sauren Apfel, wickelt den Sender ab und überläßt die Frequenzen der Konkurrenz.