Schisma im Hause Boehringer Mannheim: Curt Engelhorn, der das Unternehmen dreißig Jahre lang geleitet hat und noch immer einer der größten Anteilseigner ist, wurde entmachtet. Der Verwaltungsrat der auf den Bermudas ansässigen Muttergesellschaft Corange Ltd. enthob ihn sowohl des Aufsichtsratsvorsitzes bei Boehringer als auch bei Corange selbst. Doch Engelhorn gibt nicht auf: Bis zur Versammlung der Anteilseigner am 6. April wird es möglicherweise zwei rivalisierende Verwaltungsratsvorsitzende bei Corange geben. Denn Engelhorn, dessen Funktion bei Corange vorerst der ehemalige Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl einnehmen soll, weigert sich, den Rausschmiß zu akzeptieren, von dem er per Pressemitteilung erfuhr. Seine Entlassung sei rechtswidrig, da gesellschaftsrechtliche Formalien nicht eingehalten worden seien.

Engelhorn kann sich der Unterstützung der Boehringer-Belegschaft sicher sein. Am Dienstag demonstrierten die Beschäftigten mit Menschenketten auf dem Werksgelände für seinen Verbleib. Auch die Geschäftsführung hat den Beschluß des Corange-Verwaltungsrates „mit Betroffenheit zur Kenntnis genommen“.

Mit der Absetzung wollen die restlichen Anteilseigner von Corange, in der Hauptsache Boehringer-Erben, den Weg frei machen für die Umstrukturierungspläne von Konzerngeschäftsführer Max Link. Engelhorn hatte den Schweizer erst vor gut einem Jahr an die Spitze geholt, liegt mit ihm nun jedoch auf Konfrontationskurs. Link wird in Mannheim nicht nur wegen rüder Führungsmethoden kritisiert. Vor allem teure Beteiligungen an US-Firmen und die Absicht, den Vertrieb auszugliedern sowie Teile des Geschäfts nach Amerika zu verlagern, hätten laut Engelhorn zur Folge, daß das Unternehmen „in unverantwortlicher Weise zerstückelt“ werde.

Bayern hat einen neuen Stahlbaron. Nachdem Max Aicher, Besitzer der Augsburger Lechstahl GmbH und der Freilassinger Annahütte, den Zuschlag der bayerischen Staatsregierung für die Neue Maxhütte Stahlwerke GmbH in Sulzbach-Rosenberg bekommen hat, ist er nun Herr über alle bayerischen Stahlwerke. Durch einen Produktionsverbund mit dem Augsburger Werk und die Streichung von 350 Arbeitsplätzen will Aicher dem krisengeschüttelten oberpfälzischen Stahlwerk eine rentable Zukunft sichern – für die IG Metall Amberg eine Mogelpackung. Der Verbund begünstige das Augsburger Werk zu Lasten der Maxhütte, so ihr Bevollmächtigter Bertin Eichler.

Max Aicher, der zu seinen bisherigen Maxhütten-Anteilen bereits die von Krupp, Klöckner und Thyssen hinzuerwarb, strebt schon geraume Zeit die vollständige Übernahme der Sulzbacher Stahlschmiede an. Der Regierung in München war’s recht, wird sie doch auf diese Weise noch vor den Wahlen einen Problemfall los.

Damit sind Pläne gescheitert, die Maxhütte in einen zukunftsweisenden Recyclingbetrieb zu verwandeln. Der Nürnberger Unternehmer Manfred Kühnlein wollte zusammen mit der Waste Management Deutschland GmbH aus Altautos Roheisen für die Stahlproduktion herstellen. Für den Gewerkschafter Bertin Eichler eine verpaßte Chance: „Das Altauto-Recycling wird kommen, nur nicht hier in Sulzbach-Rosenberg.“

Die Deutsche Bank ist auch deshalb die Nummer eins im Kreditgewerbe, weil sie die besten Steuerexperten hat. Sie nutzten im Flick-Feldmühle-Deal vor einigen Jahren alle Tricks und bescherten dem Geldhaus Milliardeneinnahmen zu Lasten des Fiskus. Doch der Branchenprimus hat es offenbar mit der Cleverneß zu weit getrieben. Wie nun bekannt wurde, ist der Versuch gescheitert, mit sogenanntem Dividenden-Stripping dem Finanzamt ein Schnippchen zu schlagen.