Der stille Ort, der Un- oder Abort, er soll schöner werden. Oder zumindest doch anders. Da, wo selbst der Kaiser zu Fuß hingeht, wie unsere Mütter uns mit verschämtem Grinsen beibrachten, herrscht bislang allenfalls gekachelte Unpersönlichkeit. Von Architekten mehr oder minder geräumig angelegt, dann lieblos nach Katalog eingerichtet, vom Benutzer mit Attributen spießiger Behaglichkeit bis zur musikklingenden Papierrolle ins Individuelle geholt. Entsorgungskaltschnäuzigkeit herrscht vor. Darüber kann das Poster von Frank Zappa nicht hinwegtäuschen.

Wo im Fernen Osten für meditative Atmosphäre gesorgt wird, herrscht im Nahen Osten dieses unseres Landes immer noch harnsäuremiefige Plaste- und Elaste-Schrecknis. Im Westen ist es komfortabler, aber nicht stimmungsvoller.

Dem rücken siebzehn Design- und Architekturstudenten der Berliner Hochschule der Künste zu Leibe. Sie präsentieren in der Ausstellung „Spaces: Stille Ortchen...“ die Ergebnisse ihres Projekts zur Revolution und Evolution der Toilette im öffentlichen wie im privaten Raum.

Kühn Erlebnishaft-Utopisches wechselt mit verwirrend Praktischem, Ungewohntem, dem man neugierig, aber auch skeptisch begegnet.

Wichtigstes Ergebnis der Verhaltensvorstudien: Die Frau hat es auch da nicht so einfach wie der praktischer gebaute Mann. Das wußten wir. Was wir nicht wußten, ist, daß die Frau im öffentlichen Bedürfnisraum trotzig auf ihrer Weigerung besteht, auf öffentlichen Klodeckeln Platz zu nehmen. Ganze vier Prozent, ergab eine englische Studie, verhalten sich „normal“, der Rest bevorzugt die Hocke, steigt zur Not auf Deckel oder Schüssel, die Hocke aber muß es sein.

Dem kommt man erfinderisch und nicht ohne poetischen Naturbezug mit dem ungewöhnlichen Modell „Urinella“ entgegen. Ein großes, exotisches Blütenblatt ragt in passender Höhe aus der Wand, jeder kann, Männlein wie Weiblein, das ihn bedrängende Geschäft im Stehen oder Hocken erledigen. Für große Hotels und Luxusrestaurants wird das Modell „Dschungel“ vorgeschlagen: mit Drehtüren und Klangwelten angereichert, der dringend notwendige Erlebnisraum für die intime Verrichtung.

Weit darüber hinaus geht die Toilette als „Ort des Grauens“, eine Persiflage überschießender Phantasie, im Format der großen Schreckensoper. Eine enge Treppe führt in die Tiefe der U-Bahn Das kleine Kabinett stiftet Verwirrung: Ein Einwegspiegel ermöglicht die Sicht auf den bevölkerten Bahnsteig – ein Horrortrip, auch wenn von dort die Einsicht verwehrt ist. Für die anschließende Hygiene hält man, eine Treppe höher, die Hände in einen Renaissance-Brunnen-Schlund, um sie einer mythisch-automatischen Spülung zu unterziehen. Eindrucksvoll, aber eher abschreckend.