Wer für komplizierte Fragen einfache Antworten findet, kann mit viel Zustimmung rechnen. Aber Vorsicht bei zu einfachen Antworten ist geboten. Dies gilt auch für das druckfrische Ratgeberbuch von Ralph Raben und Christine Biermann. Es will Antwort auf die Frage geben, ob es ratsam sei "im Alter noch ein Kind" zu bekommen. Die beiden Autoren richten sich somit vorwiegend an "ältere" Paare und Frauen, die sich "jenseits von 35 oder 40" erstmals ein Kind wünschen.

An ärztlicher und menschlicher Kompetenz fehlt es den Ratgebern nicht: Sie sind praktizierende Gynäkologen und Eltern von fünf Kindern aus früheren Partnerschaften. Sie kennen aus ihrer Praxis Vor- und Nachteile später Schwangerschaften. In ihrem schmalen Bändchen ist allerdings überwiegend von den Vorteilen einer späten Geburt die Rede. Das ist nicht verwunderlich, denn dem Ärztepaar kommt es mehr auf die medizinischen als die vielen anderen Aspekte an, die mit einer Geburt ja erst beginnen.

Die medizinischen Ausführungen sind aus dem geburtshilflichen Blickwinkel allesamt richtig, läßt man einmal einige mehr vom Zeitgeist als von der Wissenschaft geprägte Anmerkungen über den Einfluß von Umweltvergiftungen beiseite. Schwangerschaft und Geburt sind sicherer geworden. Das läßt sich an den Zahlen für die Kindersterblichkeit ablesen. Deutschland gehört seit etwa fünf Jahren neben den skandinavischen Staaten zur Weltspitze. Durch Mutterschaftsvorsorge, elektronische Geburtsüberwachung und steigende Zahl von Kaiserschnitten ist der Weg ins Leben ungefährlicher geworden. Daher ist die Botschaft an die - im Durchschnitt ständig älter werdenden - Mütter so hoffnungsfroh.

Den sogenannten fruchtbaren Lebensabschnitt wollen immer mehr Frauen bis an die Grenze zu den Wechseljahren hinausschieben. Denn sie möchten ihren Wunsch nach Beruf und späterer Mutterschaft aus guten Gründen nicht aufgeben. Die Geburtenkontrolle mittels Pille oder Spirale ermöglicht heute eine langfristige Lebensplanung. Christine und Ralph, so lassen sich die Autoren von ihren Patientinnen gerne nennen, leiten klug durch die Klippen der Reproduktionstechnik (extra- und intrakorporale assistierte Befruchtung, Hormonstimulation und so weiter). Die früher übliche Warnung vor Risiken der "alten Erstgebärenden" stimme heute nicht mehr, meinen die beiden und machen Mut zur späten Schwangerschaft.

Von sozialen Problemen der Kinder älterer Eltern ist in dem Buch leider kaum die Rede. Das ist verwunderlich, denn in ihm spielt der Umwelteinfluß auf die Schwangerschaft eine große Rolle. Die soziale Umwelt in der Familie bleibt ausgespart, etwa die Frage, ob ältere Paare ihren Nachwuchs anders erziehen und durch ihr Verhalten prägen als jüngere Eltern. Christine und Ralph wirken durch ihre lockere Sprache und freundliche Zuwendung sympathisch und erscheinen als ideale Eltern, die Beruf und Familie vorbildlich verbinden. Die Leser sollten jedoch beachten, daß die im harmonischen Familienphoto abgebildeten fünf Kinder zwischen dreizehn und siebzehn Jahre alt sind, die Autoren selbst also ihren Nachwuchs früh gezeugt haben.

Bei der Lektüre des hoffnungsfrohen Büchleins sollte man nicht vergessen, daß mit der Geburt nur dann eine glückliche Kindheit beginnen kann, wenn das Baby nicht überwiegend der eigenen Selbstverwirklichung dient.

Quadriga Verlag, WeinheimBerlin 1994; 172 S, 24 80 DM