Von Klemens Polatschek

Das Wettrennen um die schnellsten Mikroprozessoren könnte man als Formel 1 der Computertechnik bezeichnen. Eigentlich handelt es sich, vom praktischen Standpunkt aus betrachtet, um leeres Gedröhn – schließlich entscheidet über die Alltagstauglichkeit von Computern in Wahrheit eher die Freundlichkeit ihrer Software, nicht die schiere Leistung ihres zentralen Bauteils. Aber erstens ist gerade der Streit um sinnfreie Ehren oft spannend, siehe Formel 1. Und zweitens wird mehr Rechenleistung, kaum daß sie auf dem Markt ist, auch sofort in Anspruch genommen.

Alle Computermoden der vergangenen Jahre fraßen und fressen Prozessorleistung, als gäbe es sie gratis: wenn Programme parallel laufen, sich in verschiedenen Bildschirmfenstern zeigen, mit bunten Graphiken und Videos hantieren und sich über komplexe Mechanismen verknüpfen. Deshalb ist der Zentralprozessor, kurz „die CPU“ genannt, erster Baustein zum Erfolg in der Branche.

Die Firma Intel im kalifornischen Santa Clara ist dafür der beste Beleg. Ihre Prozessoren der 80x86er Baureihe beherrschen seit mehr als einem Jahrzehnt die CPU-Welt. Einen Personal Computer nach IBM-Standard oder Industriestandard zu bauen hieß und heißt, ihn um einen Intel-Prozessor herum zu schneidern: vom Modell 8088 im Ur-PC über 80286, 80386 (später i386 genannt), i486 bis, nunmehr, zum Pentium (quasi die 586er-Generation); die Geschwisterchen, die Intel scharenweise zeugte, einmal beiseite gelassen.

Obwohl in den vergangenen Jahren von Nachbauern kompatibler Prozessoren heftig bedrängt (namentlich von den Labors bei AMD, Cyrix und IBM), suhlt sich Intel in Profitmargen, die Jahr für Jahr staunenswerter werden. Im vergangenen Jahr steigerte Intel seinen Umsatz um die Hälfte auf 8,8 Milliarden Dollar und machte damit 2,3 Milliarden Gewinn.

Der Intel-Konkurrent Motorola muß sich gleichfalls nicht verstecken. Seine Halbleitersparte baut die hochgelobten Prozessoren der 68000er Serie; Apple, Atari und Commodore verwenden sie. Aber verglichen mit dem Industriestandard-Orchester war das doch nur Kammermusik.

Nun könnte sich das Blatt wenden.