MÜNCHEN. – Die Spiele von Lillehammer sind vorbei, und sie haben uns, den Hauptakteuren daheim an den Bildschirmen, wieder jede Menge höchst ernster Fragen hinterlassen. Zum Beispiel diese: Welche Sprache war es eigentlich, in der sich die bayerischen Olympiateilnehmer ausdrückten? Deutsch? Also bitte...! – Ein dem Deutschen verwandtes Idiom? Wohl kaum. Dazu hatten die Ausführungen von Wasmeier und Co. doch zuviel anarchistischen Charme, was korrekte Syntax und Grammatik angeht. – Also Bayerisch? Vieles deutet darauf hin. Diese Sprache, die so klingt wie eine neue olympische Disziplin, das Buckelpistenfahren. Nur ist das bundesweit, weltweit verständlich?

Was ist etwa davon zu halten, wenn unser Goldrodler, unser Goldhackl, dem ergriffenen Fernsehzuschauer in aller Welt erklärt, um als erster durch Ziel zu rauschen, „muaßt di sauber flachmach’n dein’ Schlidd’n“? Ist das außerhalb von Berchtesgaden überhaupt noch vermittelbar? Kann das im Norden der Republik ohne Untertitel gesendet werden (ja, mal ganz unter uns: Darf so einer überhaupt Gold für Deutschland holen)?

Fragen über Fragen, die eine Dame aus Gießen nun in einem Brief an das bayerische Kultusministerium endlich auf den Punkt gebracht hat.

„Nachdem ich in Funk und Fernsehen“, so schreibt besagte Dame, „zahlreiche Stellungnahmen von Mitgliedern der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Lillehammer gehört habe, die aus Bayern stammen und der deutschen Sprache nur eingeschränkt mächtig sind, drängt sich mir die Frage auf: Ist der Unterricht an bayerischen Schulen so unzureichend, daß Schülerinnen und Schüler nicht einmal die deutsche Sprache – es geht nicht um Dialekt – korrekt lernen?“ War das schon hübsch spitz formuliert, so bewies der folgende Satz: „Ihrer Antwort sehe ich mit Interesse entgegen“, noch ein Maß an Ironie, mit dem man im bayerischen Kultusministerium nicht so ohne weiteres umzugehen weiß.

Doch der Glanz der Medaillen, die die bayerischen Teilnehmer aus Lillehammer mit in den Freistaat gebracht hatten, war noch frisch, und so entschloß man sich in der obersten Schulbehörde zu einer besonders launigen Replik, die allerdings – das war man der Pädagogik des Hauses schuldig – mit einem sanften Tadel begann.

„Offen gestanden“, so ließ Minister Hans Zehetmaier schreiben, „hatten wir eigentlich eher damit gerechnet, daß Sie uns nach den bayerischen Erfolgen in Lillehammer zur Qualität des Sportunterrichts an unseren Schulen beglückwünschen würden.“ Weil dem aber nicht so war, ließ der Schreiber kurzerhand alle bayerischen Rekord- und Höchstleistungen der letzten Zeit inklusive dem wiedererstarkten FC Bayern München aufmarschieren, um im Anschluß daran die listige Frage zu stellen, wie es denn mit solchen Erfolgen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein aussehe. (Merke: Eine Katja Seizinger macht aus dem Ruhrgebiet noch kein Skiparadies!)

Und weil er so schön durch die ersten Tore gekommen war, setzte der Apologet weiß-blauer Alpenraum-Mundart zu einem besonders eleganten rhetorischen Schwung an: