Von Martin Ebbing

Als Anfang Dezember vergangenen Jahres die finanziellen Schwierigkeiten der Metallgesellschaft überall in Europa Schlagzeilen machten, dauerte es keine 24 Stunden, bis bei Nancy Kropp Galdy in Florenz das Telephon klingelte. Am Hörer meldete sich Ronaldo Schmitz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bank und seit jüngstem MG-Chefkontrolleur.

Schmitz bat Kropp Galdy, der Deutschen Bank noch einmal auszuhelfen. Die Ölhändlerin hatte schon 1988 den Bankern aus Frankfurt aus der Patsche geholfen. Nach elf Jahren im riskanten und nervenaufreibenden Handel mit Petroleum fühlte sie sich ausgebrannt und war auf dem Weg nach Florenz, um sich dort als Händlerin von Zeichnungen alter Meister niederzulassen. Auf dem Londoner Flughafen Gatwick erfuhr sie, daß Alfred Herrhausen nach ihr suche.

Der Chef der Deutschen Bank, der ein Jahr später Opfer eines Terroranschlages werden sollte, hatte viel Gutes über Nancy Kropp gehört und bat sie, die Sanierung der Klöckner Handelsgesellschaft zu übernehmen. Noch von Gatwick aus flog sie nach Deutschland.

Diese Arbeit damals habe bei ihr Erinnerungen und ein starkes Gefühl der Loyalität hinterlassen, sagt Nancy Kropp heute. Sie mußte deshalb nicht lange über den neuen Hilferuf aus Frankfurt nachdenken. Als sie eine halbe Stunde später Schmitz zurückrief, hatte sie die Koffer bereits gepackt.

Seither sitzt sie statt in Florenz in einem Büro an der New Yorker Madison Avenue und versucht zwölf bis sechzehn Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, Verträge für 160 Millionen Barrel Öl zu verkaufen. Die Hälfte der Strecke haben Kropp Galdy und ihr Team aber schon zurückgelegt. Und es müssen sich auch nicht die bösen Prognosen bewahrheiten, die den Verlust aus dem Olverkauf auf eine Milliarde Dollar bezifferten. Philip K. Verleger, ein akademischer Kenner der Branche am Institute for International Economics in Washington, hält es sogar für nicht ausgeschlossen, daß die Metallgesellschaft und ihre Kreditgeber verlustfrei diese Affäre hinter sich bringen können.

Ganz anders schätzt freilich W. Arthur Benson das Wirken der Nothelferin ein. Benson war der Stratege der US-Ölspekulationen, die die Metallgesellschaft kurz vor den Konkurs gebracht haben. Aber nicht, so Benson, weil seine Strategie versagt habe, sondern weil er und sein Plan das Opfer eines „byzantinischen“ Machtkampfes auf den Vorstandsetagen von Metallgesellschaft und Deutscher Bank sowie von „Arroganz, falschem Stolz und mangelndem Verständnis für eine solche Operation“ geworden seien.