Auch Obst und Gemüse sind gezwungen, sich gegen Viren zur Wehr zu setzen. Die Gentechnik soll ihnen dabei helfen. Teile des Viruserbguts werden in Pflanzen eingeschleust, um sie gegen die Krankheitserreger zu immunisieren. In der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science zeigen Forscher, daß solchermaßen verpflanztes Virenerbgut unliebsame Aktivitäten entfalten kann: Zunächst impften die Forscher Tabakpflanzen mit Genen, die Informationen für die Produktion eines Virusbestandteils enthielten; anschließend infizierten sie die Pflanzen mit Viren, bei denen just dieser Bestandteil nicht ganz intakt war. Dieser Defekt hinderte die Erreger daran, sich in den Pflanzen auszubreiten. Einigen Viren gelang es jedoch, den Defekt abzuschütteln – 4 der 125 getesteten Pflanzen wurden vollständig mit dem Virus infiziert. Wie konnten die Viren sich die Information für die Reparatur verschaffen? Die Wissenschaftler nehmen an: aus der Pflanze, nämlich aus dem eingeimpften Erbgut.

Zwei Pflanzenpathologen von der University of California fragen im selben Science-Heft nach den Konsequenzen für die Gentechnik in der Landwirtschaft: „Werden genmanipulierte Kulturpflanzen neue Viren und neue Krankheiten schaffen?“ Ihre Antwort lautet: „Wir glauben, nicht.“ Folgende Argumente führen sie an:

  • Die Wahrscheinlichkeit, daß bei dem Genaustausch ein neues, gefährliches Virus entsteht, ist astronomisch gering. Denn das zusammengewürfelte Genkonstrukt müßte in der Lage sein, in einen Wirt einzudringen, Zellen zu befallen und diese zu zwingen, neue Viren herzustellen und in den Organismus freizulassen.
  • In Pflanzen, wie in wohl allen Organismen, schlummern etliche Virengene, die sich irgendwann dorthin verirrt haben. Es muß also auch in der Natur unablässig zu ähnlichen Genaustauschereignissen kommen, wie sie nun im Labor an genmanipulierten Pflanzen beobachtet wurden.
  • Bei neu entdeckten Viren handelt es sich meist um bereits bekannte Virentypen, die durch Mutationen leicht verändert wurden, und nicht um neu zusammengewürfelte Varianten.

Daraus folgern die Kommentatoren: „Auf Virengene zum Schutz vor Viren zu verzichten, weil das verschwindend geringe Risiko besteht, damit neue und gefährliche Viren zu erzeugen (was auf natürlichem Weg ohnehin geschehen würde), scheint uns ein verrückter Ansatz zu sein.“

Können die Ergebnisse also ad acta gelegt werden? Das Experiment legt jedenfalls nahe, daß das Risiko eines Geneingriffs bedacht werden muß. Denn genetische Austauschprozesse haben im Laufe der Evolution wohl dazu beigetragen, daß gefährliche Krankheitserreger entstanden sind. Und mit jeder genmanipulierten Pflanze erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, daß ein zufälliger Genaustausch eben doch einmal einen neuen Krankheitserreger kreiert. Wie erheblich diese Wahrscheinlichkeit angesichts des natürlich stattfindenden Genaustauschs ist, bleibt noch offen.

Christian Weymayr