Mit dem Umweltsiegel Tirol zeichnet das österreichische Bundesland demnächst Herbergen und Gastronomiebetriebe aus, die sich verpflichten, nach strengen ökologischen Kriterien zu wirtschaften.

Mit 45 Millionen Übernachtungen bei 640 000 Einwohnern gehört Tirol zu den vom Tourismus am intensivsten genutzten Regionen Europas. Einer wachsenden Prosperität durch den mittlerweile bedeutendsten Wirtschaftszweig stehen in zahlreichen Tälern zunehmend Flurschäden ökologischer und sozialer Natur entgegen.

Deshalb mühen sich die Tiroler Tourismusmanager seit einigen Jahren, die ungeplante Expansion zu bremsen, um die natürliche Grundlage fürs profitable Geschäft nicht zu zerstören.

Eine Möglichkeit für die Gastwirte, ihre Betriebe auf eine weitgehend umweltschonende Arbeitsweise umzustellen, hat nun die Tirolwerbung in Zusammenarbeit mit der Münchner Unternehmensberatung Futour und dem Wiener Ökoinstitut geschaffen: Auf der Tourismusmesse ITB wurde Anfang März in Berlin das „Umweltsiegel Tirol“ vorgestellt, um das sich fortan jene Hotels, Bauernhöfe, Berghütten, Pensionen und Restaurants bewerben können, die bereit sind, sich einer strengen Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen. In dreijähriger Arbeit wurde ein 51 Punkte umfassender Kriterienkatalog entwickelt. Die Maßnahmen gehen weit über bereits bestehende Ansätze wie Handtuchwechseln nur auf Gästewunsch oder das Vermeiden von Portionsverpackungen auf dem Frühstücksbuffet hinaus. Sie beziehen sich auf die Bereiche Abfallvermeidung, Wasser und Abwasser, Luft, Energie, Verkehr und Lärm. Außerdem sollen Mitarbeiter wie Gäste ausführlich informiert werden.

Die Einhaltung der Kriterien wird von 24 speziell ausgebildeten, unabhängigen Prüfern überwacht, die auch die Betriebe im weiteren Ausbau ihres Öko-Angebots beraten sollen.

Um die Seriosität des Programmes zu unterstreichen, wird das Umweltsiegel jeweils nur für ein Jahr von der Tiroler Landesregierung vergeben. Über 150 Kandidaten haben sich bisher beworben. Im Mai sollen die ersten Betriebe mit der „Goldenen Sonnenscheibe“, dem Symbol der Aktion, ausgezeichnet werden.

Den Kostenbeitrag zwischen umgerechnet 210 und 700 Mark, den sie je nach Größe des Betriebs für das Gütesiegel zahlen müssen, haben die Gastwirte nach Ansicht der Initiatoren des Projekts durch Einsparungen von Wasser, Energie und Abfallgebühren schnell wieder erwirtschaftet. Peter Zimmer von Futour: ‚Wir wollen den Beweis antreten, daß sich Ökologie auch rechnet.“

Vom nächsten Frühjahr an wird sich auch Südtirol der Vergabe des Umweltsiegels anschließen. Ein entsprechender Kooperationsvertrag wurde bereits unterzeichnet. Sollte das Gütesiegel von Gastwirten und Urlaubern gleichermaßen angenommen werden, könnte sich die Initiative, so hoffen die Verantwortlichen, „zur größten Anstrengung im Alpenraum um einen nachhaltigen Tourismus entwickeln“. lop