Mit 627 Häusern ist das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) die mit Abstand größte "Hotel"-Kette in Deutschland. Pro Jahr werden über zehn Millionen Übernachtungen gezählt.

Zugegeben, in puncto Komfort können sich die Jugendherbergen mit den meisten Hotels nicht messen. Aber die Zeit, als die Herbergen milden Wanderern in riesigen Schlafsälen lediglich eine schlichte Bettstatt boten, sind längst vorbei. Zum Standard zählen heute in vielen Jugendherbergen Zimmer mit lediglich vier Betten und eigener Waschgelegenheit, oft sogar mit Dusche und WC.

Allmählich kommt das Jugendherbergswerk von seinem Negativimage weg. In den letzten Jahren wurden die oft rigiden Bestimmungen der Hausordnung gelockert. In den Großstadtherbergen hält man es mit dem abendlichen Zusperren nicht mehr so streng, und auch der Hausschlüssel wird schon mal herausgegeben. In etlichen Jugendgästehäusern des DJH gibt es Aufenthaltsräume mit Bistro-Charakter, in denen das Glas Wein, die Flasche Bier und die Zigarette nicht verpönt sind.

Auch von der strikten Trennung nach männlich und weiblich hat sich das DJH im letzten Jahr endlich verabschiedet. Nunmehr können volljährige Gäste unterschiedlichen Geschlechts in einem gemeinsamen Raum schlafen. Hiermit wurde nun ganz offiziell eine längst geübte Praxis in den Statuten abgesichert, um die Häuser auch für Familien mit Kindern attraktiver zu machen. Denn in Jugendherbergen geht es lockerer zu als in Hotels. Kinder treffen auf Gleichaltrige auch aus anderen Ländern, können herumtollen und ungezwungen spielen. Durch kleine Hilfsdienste wie Tischdecken und Bettenmachen wird quasi nebenbei soziales Handeln eingeübt.

Von reinen Herbergen für Wanderer und Schulklassen haben sich die Häuser des DJH zu Freizeit- und Begegnungsstätten entwickelt, die auch Veranstaltungsen offerieren. Denn das Deutsche Jugendherbergswerk ist auch ein eigenständiger Reiseveranstalter, der mit rund 17.000 Teilnehmern pro Jahr die Größe eines mittleren Unternehmens erreicht hat.

Jahr für Jahr werden etwa 350 verschiedene Reisen und Veranstaltungen angeboten. Neben Fahrten ins Ausland, wie beispielsweise einer Überlandtour im Dachzeltbus nach Indien oder Strandurlauben in Jugendcamps am Mittelmeer, findet vieles in den eigenen Jugendherbergen in Deutschland statt. Die Palette reicht vom Schnuppertauchkurs in Gommern über einen Gitarren-Animationskursus in Creglingen oder ein Seminar zur Schönheitspflege in Hilders bis zum Workshop zum Thema "Abenteuer Partnerschaft" in der Jugendherberge Hohe Fahrt am Edersee.

Noch relativ jung ist das Engagement des Jugendherbergswerks im Umweltschutz. Elf Jugendherbergen wurden in den letzten Jahren zu sogenannten Umweltstudienplätzen ausgebaut. Diese Häuser werden ökologisch bewirtschaftet und bieten Arbeitsräume für eine Umwelterziehung an.