Die Börsianer bewerten positiv, daß der Deutsche Aktienindex (Dax) in der ersten Hälfte dieser Woche die charttechnisch wichtige Marke von 2150 überwinden konnte. Zurückgeführt wurde das einmal auf die wieder erwachte Hoffnung auf sinkende Zinsen, zum anderen aber auch auf die als maßvoll angesehenen Tarifabschlüsse in der Metallindustrie und im öffentlichen Dienst. Da gleichzeitig der Dollar gewisse Schwächeerscheinungen gegenüber der Mark zeigte, glauben die Haussiers, daß die Bundesbank jetzt Spielraum für eine vorsichtige Zinslockerung gewonnen hat.

Sichtbar profitiert von den Zinssenkungsphantasien haben vor allem die Aktien der großen Banken, die in diesem Jahr bisher etwas vernachlässigt worden waren. Insgesamt blieben die Umsätze an der Präsenzbörse jedoch gering. Die Börsianer richten ihre Aufmerksamkeit vielmehr auf den Terminmarkt, der in dieser Woche einen dreifachen Verfallstermin zu bewältigen hat.

Der im Januar gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres gestiegene Autoabsatz, wachsende Exporterfolge in bestimmten Bereichen der Maschinenbauindustrie sowie die Tatsache, daß Bayer auch die Dividende unverändert lassen will, zeigen, daß sich auch „fundamental“ einiges in der Wirtschaft tut. Damit steigen die Hoffnungen, daß die gelegentlich sehr optimistischen Gewinnerwartungen für 1994 nicht so realitätsfern sein müssen.

Autoaktien gehören nach wie vor zu den bevorzugten Papieren, besonders BMW und VW. Bei Daimler gibt es nach oben gewisse Widerstandslinien, die wohl auch mit der avisierten Kapitalerhöhung von drei Milliarden Mark zusammenhängen.

Daß die Börse nach wie vor solchen Mammuttransaktionen kritisch gegenübersteht, hat sich in der Vorwoche bei Viag-Aktien gezeigt. Ihr Kurs büßte innerhalb einer Börsensitzung sechs Prozent ein, als bekannt wurde, daß der Ausgleichsbetrag, den die Viag dem Freistaat Bayern für die Übernahme des Bayernwerk zahlen wird, nicht wie angenommen 1,85 Milliarden beträgt, sondern 2,3 Milliarden, von denen ein Teil über Kapitalerhöhungen aufgebracht werden muß.

Thyssen und Veba profitierten von dem bevorstehenden Einstieg ins Mobilfunkgeschäft, das auch bei Mannesmann sporadisch für Kurssteigerungen sorgt. K.W.