Entweder man mag diese Art von Büchern, die eine ganze Epoche über Ländergrenzen hinweg opulent mit Bildern und Karten ausbreiten, oder man mag sie nicht.

Das erleichtert die Entscheidung. Ich mag sie, und ich halte den Band über die "Renaissance" aus der Reihe "Weltatlas der alten Kulturen" insgesamt für gelungen.

Der erste Teil, knapp die Hälfte des Ganzen, umfaßt Italien, zweifellos "die Wiege der Renaissance".

Doch der Leser erfährt auch, daß diese Erneuerung aus dem Geist der Antike nicht die erste in Europa war, sondern Karl den Großen ebenso wie den im hohen Mittelalter neu entdeckten Aristoteles zu den Vorläufern zählte. In den Abschnitten über Italien wird dann weit ausgeholt und die Entstehung der Stadtrepubliken von Florenz bis Siena, die Bewegung der Bettelmönche ebenso geschildert wie die Kunst des Giotto.

Es gehört zu den Pluspunkten, daß hier Entwicklungen nicht vom Himmel fallen, sondern die Stränge weit durchgezogen werden.

Wer allerdings erwartet, daß jeder Verästelung nachgegangen wird, mißt mit der falschen Elle. Angepeilt ist eben nicht der Spezialist, sondern im Gegenteil jener Leser, der sich keine Bibliothek zum Thema anlegen will und trotzdem mitreden möchte und es nach der Lektüre dieses Bandes auch kann.

Auf dem Höhepunkt der Renaissance kommen die Philosophen ausführlich zu Wort. Der Band widersteht der Versuchung, die geistigen Strömungen zugunsten künstlerischer Meisterwerke zu vernachlässigen.