ZEIT: Herr Martinsen, haben Sie auf einer Ihrer zahlreichen Dienstreisen schon einmal den Transrapid vermißt?

Martinsen: Das kann man wohl sagen. Vor allem, wenn ich bei meinen häufigen Reisen von Nürnberg nach Berlin in einer kleinen Propellermaschine sitze und per Bordlautsprecher folgende Ansage höre: Wir fliegen in einer Höhe von 7000 Metern, und die Geschwindigkeit beträgt 500 Kilometer über Grund. Dann denke ich immer: Das kann der Transrapid auch. Ich will jetzt keiner neuen Streckenführung das Wort reden; aber bei solchen Entfernungen vermisse ich, auch unter Umweltschutzaspekten, die Alternative Transrapid.

ZEIT: Und Sie glauben, daß 14,5 Millionen Menschen ähnliche Entzugserscheinungen haben und sich in den Schwebezug setzen werden, wenn einst die Strecke zwischen Berlin und Hamburg einsatzbereit ist?

Martinsen: Die große Frage bei jeder Verkehrsprognose ist natürlich, ob die Passagiere kommen. Aber aus der Vergangenheit wissen wir, daß das Fahrgastaufkommen eher unterschätzt wurde. Als der TGV in Frankreich eingesetzt wurde, ging man zunächst nur von sechs Millionen Passagieren aus, am Ende sind es mehr als zwanzig Millionen geworden. Wenn man sich nun vorstellt, daß Osteuropa sich wirtschaftlich wirklich entwickelt und daß die Menschen Mobilität als äußeres Zeichen von Freiheit empfinden, dann kommen die Fahrgäste ganz sicher. Ich glaube an die Prognose.

ZEIT: Obwohl Sie wissen, daß mittlerweile wieder weniger Menschen die TGV-Strecke Paris-Lyon benutzen?

Martinsen: Es geht auch mal wieder runter, ja.

ZEIT: Weil die Konkurrenz nicht schläft.