Johannesburg

Touristen sind in Südafrika mitunter gefährdet – und manchmal gefährlich. Zum Beispiel jene drei Deutschen, die sich vorige Woche in der Nähe von Pretoria ein wildes Feuergefecht mit der Polizei lieferten. Einer entkam, einer sitzt im Gefängnis, einer ist tot. Die Touristen entpuppten sich als Terroristen. Sie waren gekommen, um dem „weißen Mann“ im letzten Kampf gegen die schwarze Gefahr beizustehen.

Die britische Times argwöhnt, deutsche Neonazis entwickelten sich zu einem neuen Exportschlager. Die nächtliche Schießerei bei Pretoria beweist immerhin, daß Deutschland ein reiches Rekrutierungsfeld für rechte Schlagetots ist – und schon länger war: Der mittlerweile gefaßte Anführer des Killertrios betreibt seit zehn Jahren seine terroristischen Geschäfte im südlichen Afrika.

Zunächst hielten ihn die Fahnder für Heinrich Siems, ein Deckname. Sie hätten sich bei Leonard Veenendaal über die wahre Identität ihres Gefangenen erkundigen sollen. „Ach, mein Freund Horst Klenz“, seufzt der Chef eines ultrarechten Burenkommandos. „Wir haben kooperiert und saßen zusammen im Knast. Ein guter Kämpfer, wie alle unsere Freunde aus Deutschland.“ 1989 wurden die beiden Waffenbrüder in Namibia wegen Mordverdachts festgenommen. Sie brachen gemeinsam aus, ein Polizist starb. Wie viele solcher deutschen Freunde hat „Kommandeur“ Veenendaal noch? Die Antwort ist ein süffisantes Grinsen.

Klenz war jedenfalls ein erfolgreicher Anwerber im arischen Norden. Seine Kumpane aus Pretoria – Thomas Kunst und Stephan Ray – sollen bei dem reichen Geschäftsmann Willem Olivier Unterschlupf gefunden haben, einem engen Vertrauten von Eugene Terreblanche, seines Zeichens Führer der rechtsextremen Afrikaaner Weerstands Beweging. Militärisch gedrillt wurden sie von Willem Ratte, einem deutschstämmigen Fanatiker. Gute Kerle, lobt er die beiden Männer, die der Rassenhaß und die Abenteuerlust ans Kap getrieben haben.

Existiert ein braunes Netzwerk zwischen Deutschen und Südafrikanern? Der Verdacht ist nicht unbegründet. Eine Spur führt zum „Hilfskomitee Südliches Afrika“ (HSA) nach Coburg, einer Truppe mit kurzen Drähten in die rechtsextreme Szene. Auf einer (ISA-Tagung hetzte ein gewisser Arthur Kemp zu Gewalt gegen Schwarze auf. Dieser südafrikanische Expolizist wurde nach der Ermordung des Kommunistenführers Chris Hani verhaftet – er hatte Mordlisten aufgestellt. Eine andere Spur beginnt bei der „Weltapartheidbewegung“ und endet beim Extremisten Manfred Röder. Auf seine Konten sind nach Angaben des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles etwa 100 000 Mark aus Südafrika geflossen: Alimente für die deutschen Neonazis. Bartholomäus Grill