Brigadegeneral Lorenz Huber hatte eigentlich alles, was er für einen gedeihlichen Job als Sonderbeauftragter zur Rationalisierung der Landesverteidigung brauchte: die schwerste Finanzkrise der Bundeswehr, genügend Sachverstand, zwei externe Unternehmensberater von gutem Ruf, dazu auch noch das Wohlwollen und den Auftrag seines obersten Dienstherren Volker Rühe, einen Sparkurs für die Bundeswehr zu unterstützen. Sogar das Ergebnis seiner Arbeit kann sich sehen lassen: Brigadier Huber entdeckte ein Sparpotential von fast vier Milliarden Mark.

Um so überraschender dann der Eklat. Kaum hatte Huber seine tausendseitige Untersuchung Generalinspekteur Klaus Naumann übergeben, bat er um Demission. Das eilig verbreitete Gerücht, Lorenz Huber habe seinen Abschied aus Verärgerung darüber eingereicht, daß ihm der zweite Generalsstern verwehrt werde, konnte der FDP-Abgeordnete Günther Friedrich Nolting dank Insiderkenntnissen rasch als ziemlich infames Ablenkungsmanöver entkräften. Nolting wußte nämlich, daß der Offizier sein Entlassungsgesuch mit "mangelndem Reformvermögen bei zu vielen Generalen und Admiralen" begründet hatte. Der Abgeordnete wertete den Vorgang sogar als "Skandal", in dem sich die offensichtliche Reformunfähigkeit des Apparates auf der Hardthöhe widerspiegele, eines Apparates, "der sich nicht nur gegen alle Maßnahmen sperrt, sondern Brigadegeneral Huber Steine in den Weg gelegt hat, wo es nur ging".

Das ist allerdings nicht weiter verwunderlich. Huber wie die Unternehmensberater von Arthur Andersen und Conet Consulting haben dem Verteidigungsminister mit ihrem Bericht über die "Untersuchungen zur Aufwandsbegrenzung im Betrieb der Bundeswehr mit Konkretisierung im Bereich der Logistik und der Verlagerung von industrietypischen Aufgaben der Materialerhaltung in die Privatwirtschaft", so der offizielle Titel, gewissermaßen auch eine Exekutionsliste überreicht.

In der Kurzfassung der Studie heißt es zu den "wesentlichen Ergebnissen" zum Beispiel: "Unter Zugrundelegung industrieller Leistungsstandards kann bis zu 64 Prozent des Mitarbeiterbestandes der Luftwaffenmaterialdepots abgebaut werden." Da im öffentlichen Dienst traditioneller Prägung Stellenabbau immer zum Abbau von Vorgesetzten führt, bedeuten Rationalisierung und Produktivitätssteigerung somit auch, daß Beförderungsstellen wegfallen. Stummer Protest und lautlose Verweigerung sind daher die Folge.

Bei der Bundeswehr wirken die auf viele Instanzen verteilten organisatorischen Zuständigkeiten für einzelne Arbeitsgebiete besonders hemmend. So haben die einzelnen Mitarbeiter weder "die notwendige Übersicht" noch "die übergreifende Verantwortung". Und weil die verantwortlichen Offiziere wegen der häufigen Versetzungen meist noch nicht einmal so lange auf ihren jeweiligen Posten bleiben, bis ihre Entscheidungen Folgen zeigen, gebe es oft keine direkte Verantwortung für die Resultate, merken die Autoren der Untersuchung an.

Dazu heißt es dann weiter: "So gibt es zum Beispiel insgesamt zehn Leitungsebenen zwischen einem Arbeiter im Marinearsenal und seinem obersten Dienstherrn, dem Bundesminister. Jede von diesen nimmt konkurrierende Aufgaben der Leitung und Kontrolle bei sehr geringem Handlungsspielraum wahr. Dies führt häufig zur Demotivation und inneren Kündigung der beteiligten Mitarbeiter." Das Ergebnis einer solchen Personalwirtschaft schlägt sich Jahr für Jahr in den Prüfberichten des Bundesrechnungshofes nieder. Lang ist dort die Liste der Pannen Und Pleiten, die den Steuerzahler teuer zu stehen kommen – aberauch dem Verteidigungsminister selbst.