DIE ZEIT

Totentanz

Theater des Absurden hieß das schleckrige Kunstwort, mit dem man seine Arbeit etikettierte, gar sanft machte; indes – seine erfolgreichen Stücke waren eher grimmige Bisse als weltlose Klagen.

Massaker

Die Börse taumelt, der Kurs der Landeswährung fällt, die Reichen reden vom Kofferpacken. Tage wie diesen Blut-Montag von Johannesburg wollen sie nicht mehr erleben: ein Massaker im Büroviertel, Heckenschützen auf den Wolkenkratzern, Menschenjagd in den Vorstädten, dreißig Tote am Abend.

Rechtsruck

Auch im Trüben läßt sich fischen. Aber der Fang“, der dem Bündnis der politischen (echten bei den italienischen Wahlen Anfang der Woche gelungen ist, verheißt nicht einmal ihr selbst, geschweige denn dem Land einen Gewinn an Klarheit und Stabilität.

Zeitspiegel

Die Ostberliner Planwirtschaft ist durch die Stadtplanungswirtschaft abgelöst worden. Auch hier gilt Brechts Refrain: „Ja, mach nur einen Plan.

Der Prügelknabe im Glaspalast

Der Mann hat den Charme des kultivierten Weltbürgers und die Unaufgeregtheit des professionellen Skeptikers. An dem Tag, an dem die letzten amerikanischen Soldaten sich aus Somalia zurückziehen und das Land einem chaotischen Schicksal überlassen, empfängt der Generalsekretär der Vereinten Nationen, der die Intervention am Horn von Afrika zum Prüfstein der neuen Rolle der Uno machen wollte, den Besucher mit gelassener Freundlichkeit.

Nach dem Brandanschlag auf die Synagoge sind viele wütend, die meisten sprachlos und einige unbelehrbar: Lübeck hält den Atem an

Für Michael Bouteiller war am Freitag morgen um 5.30 Uhr seine Stadt nicht mehr in Ordnung: Der Lübecker SPD-Bürgermeister war gerade aus dem Bett gestiegen, um eine Reise nach Lettland anzutreten, als ihn eine Redakteurin von Radio Schleswig-Holstein anrief und ihm mitteilte, daß ein Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge verübt worden sei.

Gut ausgebildet, kein Job

Kein Zweifel, Ministerpräsident Edouard Balladur ist der Star dieser Demonstration: "Edouard, Du hast zuviel Hasch geraucht", steht auf einem Spruchband, das die Studenten von der Pariser Fachhochschule vor sich her tragen.

Wolfgang Ebert: Patriotischer Kapitalismus

Pechl, eines der Opfer, stellte das Vorstandsmitglied der Heluba AG, Plötzl, zur Rede. Der erklärte ihm: „Sie müssen mir einfach abnehmen, daß dem Vorstand der Entschluß, sich von einem verdienten Mitarbeiter wie Ihnen zu trennen, nicht leichtgefallen ist.

Es wäre ein böser Fehler, Türken nach Sarajewo zu schicken: Neuer Zündstoff

MÜNCHEN. – Gerade in einem Augenblick, wo die Hoffnung auf Frieden zu wachsen scheint, wo die Menschen in Sarajewo seit einigen Nächten wieder etwas ruhiger schlafen und sich tagsüber auf die Straße wagen können, kommt eine beunruhigende Nachricht: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und UN-Generalsekretär Butros Butros-Ghali haben das türkische Angebot, ein Kontingent von gut 2000 Soldaten nach Sarajewo zu schicken, angenommen.

Bonner Bühne: Wasser bis zum Hals

In Bonn müßte es vielmehr heißen: vom Wasser befreit. Es steht noch immer in den Kellern der neuen Parlamentsgebäude, zwecks Ursachenerforschung und Beweissicherung.

Die anderen Schindlers

Baum Nummer 14 an der Allee der Gerechten in Jad Vaschem bekommt derzeit viel Besuch. Die Erde ringsum ist platt getreten. Mit Baum Nummer 14 erinnert die Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem an Oskar Schindler.

KLAUS HARTUNG: Defizite

BERLIN. – In einer Zeit, in der die öffentliche Hand verarmt und nur noch streicht, gehört es zum Standardrepertoire, laut zu klagen, die Kultur bleibe auf der Strecke.

BUCH IM GESPRÄCH: Unverwechselbar kriminell

An Verbrechen lassen sich Gebrechen ablesen", schreibt Christian Graf von Krockow im Vorwort zu Stephan Wehowskys Versuch, den "kriminellen Mentalitäten in Europa" auf die Spur zu kommen.

„Kabale am Rhein“: Wie Konrad Adenauer die deutsche Einheit hintertrieb: Ein Abgrund an Lug und Trug

Ein Buch über die frühen Weichenstellungen in der deutschen Nachkriegspolitik, über Machtkämpfe, Intrigen und dubiose Geschäfte, über ergriffene und verpaßte Chancen, tatsächliche und vermeintliche Alternativen, vor allem aber über jene heute oft bis zur Unkenntlichkeit idealisierte Zentralfigur, die aus all den Wirren und Rankünen als Sieger hervorging und fast zwei Jahrzehnte lang den Stil der Bundesrepublik prägte: Konrad Adenauer.

Bonner Kulisse

Der Fall des bayerischen Steuerflüchtlings Eduard Zwick, der inzwischen zum Rücktritt des CSU-Vize und früheren Finanzministers Gerold Tandler geführt hat, beschäftigt jetzt auch dessen Parteifreund, den Bonner Finanzminister Theo Waigel.

Staatshaushalt: Leihen

Wenn der Kaiser kein Geld mehr hatte, mußte er sein Tafelsilber verkaufen. Heutzutage könnte er, weniger peinlich, den Hausrat auch verleihen, um wieder flüssig zu werden.

Arbeitsplätze: Teilen

Manchmal können Kanzlerworte wahre Wunder bewirken. Kaum hatte Helmut Kohl seinen treuen Gefährten Norbert Blüm zu mehr Phantasie im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit aufgefordert, schon kommt dieser mit einer genialen Idee: dreitausend Mark für jeden, der seinen Arbeitsplatz mit jemand anderem teilt.

Wirtschaftsbuch: Eine kritische Bilanz der Treuhandanstalt: Demontage ohne Plan

Das Ende des operativen Geschäfts der Treuhandanstalt naht. Die Treuhänder „über das volkseigene Vermögen“ – so der Auftrag des noch unter der Modrow-Regierung verabschiedeten Gesetzes – haben bereits damit begonnen, dem In- und Ausland die Erfolgsstory dieses Supermarkts zum Verkauf ostdeutscher Betriebe anzupreisen: 13 200 Betriebe, 18 000 Liegenschaften und 22 000 Apotheken wurden seit 1990 privatisiert.

Bundeswehr: Eine interne Studie deckt die Verschwendung von Milliarden auf: Die Generäle mauern

Brigadegeneral Lorenz Huber hatte eigentlich alles, was er für einen gedeihlichen Job als Sonderbeauftragter zur Rationalisierung der Landesverteidigung brauchte: die schwerste Finanzkrise der Bundeswehr, genügend Sachverstand, zwei externe Unternehmensberater von gutem Ruf, dazu auch noch das Wohlwollen und den Auftrag seines obersten Dienstherren Volker Rühe, einen Sparkurs für die Bundeswehr zu unterstützen.

Wenn der Rand zur Mitte wird

Der Geschäftsführer der Großhandelsfirma Gornig GmbH, Heizungs- und Sanitärbedarf, geriet ins Schwärmen. Man fühle sich als Unternehmer auf der östlichen Seite des ehemaligen Zonengrenzzaunes ausgesprochen willkommen, erzählte Dietrich von Gruben, ganz anders als in den alten Bundesländern.

Hoch im Osthandel

Selbst zur Überraschung vieler Fachleute blüht der deutsche Handel mit den Ländern des ehemaligen Ostblocks. Bei den Exporten in die mittel- und osteuropäischen Reformstaaten – von den Experten kurz MOE’s genannt – verzeichneten die deutschen Unternehmen in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres im Vergleich zum Vorjahr eine Zuwachsrate von 13,4 Prozent.

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