Wenn die Gräfin von Maltzan noch reden wollte, dann würde sie vielleicht zuerst vom 19. Mai 1943 erzählen, dem Tag, als die Nazis Berlin für judenfrei erklärten. Ob sie da leise gelächelt hat? Drei Juden lebten heimlich in ihrer Wohnung in der Reichshauptstadt.

Aber die Gräfin redet nicht. Sitzt in ihrer Wohnung in der Kreuzberger Oranienstraße und will nicht mehr interviewt werden. 85 ist sie jetzt, immer noch eine Erscheinung, auf die das Wort wuchtig am besten paßt. Wuchtig und alt. Sie hört nicht mehr richtig und braucht Hilfe, um über den Tag zu kommen. Das ist normal in diesem Alter und doch ganz besonders traurig, weil hier eine einst ungewöhnlich starke Frau langsam ihre Kraft verliert. Es gab eine Zeit, da half Maria Gräfin von Maltzan anderen, um über die Tage, über die Jahre zu kommen.