Als sein Vater schließlich stirbt, ist der Butler Stevens gerade bei der Abschlußzeremonie jener Konferenz beschäftigt, auf der das Schicksal der britischen Appeasement Politik gegenüber Nazideutschland sich entscheidet. Im Flur vor dem Sterbezimmer trifft er die Haushälterin, Miß Kenton "Es tut mir sehr leid. Ihr Vater ist vor fünf Minuten von uns gegangen - "Ich habe im Moment zu tun - "In diesem Fall erlauben Sie mir, seine Augen zu schließen - "Das wäre äußerst liebenswürdig von Ihnen Später legt er seinen Handrücken auf die Stirn des Toten, schaut die Hand nachdenklich an und atmet dann hastig aus, als wollte er den Rest der Berührung wegblasen, wie man ein Staubkorn wegbläst.

Während das Haus zum Schlachtfeld der hohen Politik wird, kommen Miß Kenton und Mr. Stevens einander menschlich näher - jedenfalls sie ihm. Den Gipfel erreicht ihre Zudringlichkeit, als sie den Butler bei seiner Abendlektüre überrascht "Was ist das für ein Buch?" Doch er will es ihr nicht zeigen. Als sie immer heftiger danach greift, malt sich auf seinem Gesicht für einen Augenblick eine reine, kindliche Traurigkeit. Dann läßt er los "Oh, es ist nur ein sentimentaler alter Liebesroman Von dieser Kränkung wird er sich nicht erholen. Miß Kenton wird einen anderen Mann heiraten und unter Tränen fortgehen, und Stevens wird ihr mit marmorner Miene seine allerherzlichsten Glückwünsche" aussprechen. Jahre später, nach dem Krieg, als Darlington Hall längst an einen reichen Amerikaner verkauft und Miß Kenton eine in Scheidung lebende Frau ist, fährt der Butler im Wagen seines Herrn an die Kanalküste, um das Versäumte, Verpatzte endlich nachzuholen. Aber die Geliebte lehnt nach einigem Zögern sein Angebot ab. Er bringt sie noch zum Bus. Sie weint beim Abschied.

Dann sitzt der Butler Stevens auf einer Bank am Hafen und schaut aufs Meer, und sein Gesicht ist noch leerer als je zuvor. Es strahlt eine Traurigkeit aus, die jenseits des Trauerns liegt, einen Schmerz über den Schmerz hinaus. Die Toten auf den athenischen Grabmälern schauen so. Und die großen Wahnsinnigen der Kinematographie. Lecter und Stevens: Hopkins hat sie zum Reden gebracht, zwei Figuren, die jenseits aller Wahrscheinlichkeit sind, zwei Masken, in denen der Schrecken der Welt ringsum versteinert ist. Aldie Könige des Kinos.

Wer "Was vom Tage übrigblieb" gesehen kat, wird von "Shadowlands" enttäuscht sein: Es ist nur ein sentimentaler alter Liebesfilm "Shadowlands" sieht aus, als wäre der Film Anfang der sechziger Jahre gedreht worden: die Wohnungen braun und blau, die Himmel pastellfarben, die Wiesen grün und die Geschichte ein Rührstück aus echtem Schrot und Korn. C. S. Lewis, ein alternder Oxfordprofessor und erfolgreicher Kinderbuchautor, trifft eine Amerikanerin auf der Flucht, heiratet sie, damit sie die englische Staatsbürgerschaft bekommt, und gewinnt sie, als sich herausstellt, daß sie unheilbar an Krebs erkrankt ist, erst richtig lieb. Zu zweit entdecken sie das goldene Tal in Herefordshire, von dem der Professor seit seiner Kindheit geträumt hat, die Geigen jubeln, es leuchtet das Cinemascope. Als die Amerikanerin stirbt, hadert der Engländer mit seinem Gott, doch ihm bleiben der kleine Sohn der Geliebten und ein paar traurigschöne Jahre der Erinnerung. Applaus. Tusch. Taschentuch. Aber Richard Attenborough, der Regisseur, hat in seinen Film einen kleinen Stachel eingebaut, und dieser Stachel ist die Besetzung: Debra Winger spielt die Amerikanerin Joy Gresham, und Anthony Hopkins spielt den Schriftsteller C S. Lewis, ihren Ehemann. Die beiden passen so wenig zusammen, daß es eine reine Freude ist, und wenn Debra Winger in ein Altoxforder tea house hineinbrüllt: "Heißt hier jemand Lewis?" und ihr Brieffreund Hopkins in seiner Ecke scheu den Arm hebt, dann hat Attenborough das nostalgische Spiel schon gewonnen. Anthony Hopkins aber macht aus der wahren Vita des christlichen Fundamentalisten Lewis ein Portrait des Künstlers als altes Kind: Szene für Szene wirft er vor der fremden Frau die Hüllen seines altklugen Geredes und Gehabes ab, und als er ihr schließlich das Ritual schildert, mit dem er seit fünfundzwanzig Jahren in seinem Junggesellenzimmer zu Bett geht ("Erstens: Ich ziehe die Vorhänge zu. Zweitens: Ich hole meinen Pyjama. Drittens "), kann man überhaupt nicht mehr verstehen, warum dieser Mann so lange allein geblieben ist.

Ansonsten ist "Shadowlands" ein Film der Sprüche "Das Lied ist Gottes Megaphon, mit dem er die taube Welt aufweckt - "Aber etwas treibt uns aus unseren Kinderzimmern hinaus in die Welt Viel zuviel hat sich aus Lewis ältlicher Erbauungsliteratur in diese Geschichte hineingeschlichen, und nur Hopkins augenzwinkerndem Spiel ist es zu verdanken, daß der Schwulst nicht an den Bildern kleben bleibt.

Ein Spruch bleibt übrig "We read to know nicht allein sind. Wenn wir Anthony Hopkins im Kino zuschauen, wissen wir, daß wir allein sind. Aber nicht so allein wie er. Das ist ein Trost.