Von Gunhild Lütge

Größer könnte die Enttäuschung für 1500 Postler nicht sein: Seit April versendet ihr Arbeitgeber blaue Briefe. Die Hoffnung, künftig als Beamte eine sichere Existenz zu haben, ist dahin.

Dabei hatte man ihnen 1992 noch genau diese Perspektive geboten: "Wir vom Postdienst brauchen Ihr Engagement. Wenn Sie zu uns kommen, bilden wir Sie zwei Jahre lang gründlich aus. Damit schaffen wir gemeinsam eine sichere Grundlage für Ihre erfolgreiche Arbeit im mittleren Postdienst. Ihre anschließende Übernahme ins Beamtenverhältnis ist vorgesehen", hieß es in einem Merkblatt zur Personalwerbung.

Für die sogenannten Postassistentenanwärter/innen haben sich die Zeiten radikal geändert. Statt einer Beamtenfunktion wird ihnen heute, am Ende ihrer Ausbildung, lediglich noch eine Stelle als Arbeiter im einfachen Dienst angeboten – als Trost mit vollem Lohnausgleich. Und sobald eine Stelle im mittleren Dienst frei würde, stünde einer Beförderung nichts im Wege, heißt es beim Postdienst. Doch diese Chance dürfte gering sein.

Inzwischen ist nämlich die zweite Postreform auf den parlamentarischen Weg gebracht. Und deren Ziel ist es nicht nur, die drei Staatsbetriebe Postbank, Telekom und Postdienst in Aktiengesellschaften umzuwandeln, in denen Beamte langfristig keinen Platz mehr haben. Die drei privatisierten Unternehmen sollen künftig allesamt auch Gewinne einfahren, damit sie an der Börse verkauft werden können. Vor allem der Postdienst muß daher die Kosten kräftig drücken.

Das ist auch der Grund dafür, daß Postdienst-Chef Klaus Zumwinkel den Rotstift beim weitverzweigten und deshalb extrem teuren Vertriebsnetz seines Unternehmens angesetzt hat. Auf dem Lande werden derzeit amtliche Poststellen durch private Agenturen ersetzt. In den Städten sah sich Zumwinkel sogar gezwungen, insgesamt 900 Postämter ersatzlos zu schließen. Etwa 2500 Postler sind dadurch überflüssig geworden. Also gibt es auch für die Neuen, die bis zum September ihre Prüfungen ablegen werden, keinen Platz im Postamt mehr. Ihr Pech: Sie wurden speziell für den Schalterdienst ausgebildet. Das Angebot, als "Tarifkraft im einfachen Dienst" zu arbeiten, heißt für sie, Briefträger zu werden. Genau das aber waren bereits etliche der jetzt Degradierten, bevor sie ihre Ausbildung antraten.

Auf eine Anfrage an die Bundesregierung zu diesem Thema bekam Elke Leonhard von der SPD-Fraktion die Antwort: Der Personalüberhang durch die inzwischen um rund ein Drittel verminderte Kundennachfrage an den Schaltern und durch den tiefgreifenden Prozeß der Unternehmensänderung sei 1992 noch "nicht absehbar" gewesen.