Schwarzschwarzgraugrauschwarzgrau und dazwischen BLAUGELBGRÜNROTGETUPFT! Das ist: "Der Rabe, der anders war". Richtig bunt also, ein Rabagei sozusagen, der – es ist leider zu ahnen – von den Raben ausgestoßen wird. Stück für Stück, Ast für Ast rücken die anderen von ihm ab, bis ihm unmißverständlich klargemacht wird, daß er den Flattermann machen soll.

Kein Verlag kommt gegenwärtig an dem uralten Thema vom tierischen Außenseiter vorbei, So wichtig die Erziehung zur Toleranz ist gegen Anderssprechende, -denkende, -lebende, -glaubende, -farbige, so regelmäßig mißlingt soviel Gutgemeintes. Während man mit dem Kopf zustimmend nickt und nickt und nickt, weil Autor, Illustrator, Verlag ja so recht haben, nickt man ein, döst weg, weil nichts so einschläfernd wirkt wie diese Verbindung aus vorgekauter Moral, vorhersehbarer Geschichte und humorlosem Tonfall.

Dieser Rabe ist anders, fällt aus dem gewohnten Rahmen, ist witzig bunt, nicht wehleidig, nicht jammervoll betroffen, höchstens irritiert über das breite Farbenspektrum der Ablehnung und Ignoranz. Er macht sich auf den Flug ins Ungewisse, besucht die staubigen Stadttauben ("Grügrügrüss Sie – Sie wollen doch hoffentlich nicht bleiben"), den sprachgewandten Waldkauz ("Wissen Sie, ich bin ein komischer Kauz. Ich liebe meine Mitvögel. Aber am liebsten liebe ich sie, wenn keiner von ihnen in der Nähe ist") oder die punkigen Schrottplatzspatzen ("Bunt ist Schund"), um am Ende mit einem Augenzwinkern heimzukehren, jenem Augenzwinkern, das keinen verbrüdernd gleichmacht oder den Blick verdeckt.

"Ich mag Geschichten", schreibt die Autorin Edith Schreiber-Wicke in einem Nachklapp, "die man ernst nehmen kann, obwohl sie komisch sind."

Weil sie komisch sind, wäre in diesem erfreulichen Bilderbuchfall zu ergänzen.

Konrad Heidkamp

  • Edith Schreiber-Wicke/