Außenseiter, heißt es; seien die mutmaßlichen Brandschatzer der Lübecker Synagoge - zu verwirrt und widerspenstig, um in der Gesellschaft ihren Platz zu finden; zu unkalkulierbar, um selbst von den Rechtsextremisten umarmt zu werden. Vielen mag das Stigma zur Beruhigung dienen: Die Gewalttäter sind ja doch anders als wir. Aber wie viele solcher jungen Menschen ohne Gespür für Recht und Anstand mag es in diesem Lande geben?

Die Chronologie der beinahe täglichen Ausschreitungen gegen Fremde, Behinderte und jüdische Mitbürger gestattet keine selbstgefällige Absolution. Nicht nur die Außenseiter kommen aus unserer Mitte. Vor allem die Worttäter, die geistigen Brandschatzer und Fremdenhasser, leben mitten unter uns.

Diejenigen, die ihren Zorn mit Molotowcocktails auf bewohnte Häuser austoben, gelten inzwischen als Kapitalverbrecher. Sie haben harte Strafen zu erwarten. Aber wer richtet über die Urheber von Fremdenhaß und Zerstörungswut? Die Suche nach den Tätern von Lübeck hat offenbar Erfolg gehabt. Brutalität und Dummheit in unser aller Umgebung aber bleiben auf der Fahndungsliste. D B.