Von Hansjörg Heinrich

Wenn Besucher des Millowitsch-Theaters in Köln abends Richtung Bühne blicken, bekommen sie dort zunächst nicht den Hausherrn zu Gesicht, sondern Werbe-Dias für Kaffee aus mittel- und südamerikanischen Kleinkooperativen. Mit den Gratis-Spots wirbt der Kölner Volksschauspieler und passionierte Kaffeetrinker Willy Millowitsch für eine neue Idee: "Fair trade", den Handel und Einkauf nach ethisch-kulinarischen Gesichtspunkten.

Die Idee findet hierzulande immer mehr Anhänger. Nach einer Umfrage des Emnid-Instituts sind 37 Prozent der Verbraucher bereit, zwei Mark zusätzlich für das Pfund Kaffee zu bezahlen – vorausgesetzt, das Geld fließt direkt den erzeugenden Kleinbauern zu und nicht Aufkäufern und Großhändlern. In ihrem Ursprungsland USA ist die Idee seit Jahren erfolgreich. Unter dem Motto "Shopping for a better world" können interessierte Verbraucher dort Herstellungskriterien wie Löhne, Arbeitsbedingungen oder etwa Pestizideinsatz bei vielen Produkten aus Entwicklungsländern per Computer abrufen – nicht zuletzt auch eine Frage der Produktqualität.

In Deutschland setzt sich die Kölner Initiative TransFair e. V. seit April 1993 für den Verkauf qualitativ hochwertiger und dabei fair gehandelter Produkte aus Entwicklungsländern ein – mit Unterstützung von Prominenz wie Millowitsch oder Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Ziel des Vereins, zu dem sich 31 Organisationen, darunter Verbraucherverbände, Unicef und kirchliche Träger, zusammengeschlossen haben: den Kleinbauern an Ort und Stelle durch Direktabnahmeverträge stabile und gerechte Preise deutlich über Weltmarktniveau zu garantieren – unter Ausschluß lokaler Zwischenhändler. "Die verdienen, während die Kleinerzeuger wegen fallender Weltmarktpreise vielfach vor dem Ruin stehen", begründet TransFair-Sprecherin Jutta Goss das Engagement. Die Großaufkäufer zahlen in der Regel nur die Hälfte des ohnehin die Erzeugerkosten kaum deckenden Weltmarktpreises von derzeit einer Mark pro Pfund Kaffee – umgerechnet also gerade fünfzig Pfennig. Wer als Verbraucher im Laden dann sieben Mark und mehr je Pfund zahlt, ahnt, wohin der Rest geht – eine Katastrophe für Kaffeenationen wie Uganda oder Burundi, die zu neunzig Prozent vom Kaffee-Export leben.

Röstereien mit dem TransFair-Siegel auf der Packung garantieren Einkaufspreise von 1,90 Mark – bei gleichzeitig langfristigen Abnahmeverträgen. Der im ersten Jahr allein in Deutschland erreichte Marktanteil von einem Prozent bei Verkaufskaffee bringt Mehreinnahmen von rund zehn Millionen Mark – Geld, das direkt an die Kleinbauern geht oder von den Genossenschaften in Wasserversorgung, Schulen und ökologische Anbaumethoden investiert wird. Das Pfund Kaffee im Regal verteuert sich dadurch um ein bis zwei Mark – ungefähr zwei bis drei Pfennig pro Tasse.

Es ist kein Almosen. Generell gilt der Kleinbauernkaffee als sehr hochwertig. "Die hüten ihre kleinen Pflanzungen, wie man eben im Schrebergarten auch seine Pflanzen besonders betreut", sagt der Hamburger Kaffeeröster und Importeur Albert Darboven.

Und TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath ergänzt: "Was wir machen, ist erklärungsbedürftig. Aber wenn die Verbraucher erst mal kapiert haben, worum es geht, fahren alle darauf ab."