Die Banken stehen, nicht zuletzt nach ihren Schlappen mit Schneider und Metallgesellschaft, am Pranger, Politiker rufen nach schärferen Gesetzen. Dies könnte eigentlich die Stunde des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen sein. Denn die Berliner Behörde hat den Auftrag, "Mißständen" im Geldgewerbe entgegenzuwirken. Doch wer glaubt, die staatlichen Kontrolleure würden nun den Bankern lautstark die Leviten lesen, irrt. Die Beamten hüllen sich in Schweigen, und die Auskunft, daß sie im Fall Schneider jetzt das Geschäftsgebaren von siebzehn Kreditinstituten überprüfen lassen, kam nur zögernd.

Die Zurückhaltung hat Tradition. Das Amt verstand sich noch nie als öffentlicher Ankläger von Fehlentwicklungen im Kreditgewerbe oder gar, wie viele meinen, als Verbraucherschutzorganisation. Ob Geldhäuser Wucherzinsen verlangen oder im Zahlungsverkehr schludern, interessiert die Behörde kaum. Sie sieht ihre Aufgabe in erster Linie darin, darauf zu achten, daß die Banken die gesetzlich vorgeschriebenen Kennziffern bei der Kreditvergabe einhalten und möglichst nicht pleite gehen. Wenn die Berliner etwas zu rügen haben, tun sie dies deshalb in aller Regel höchst diskret.

Daran wird sich auch unter dem neuen Präsidenten Wolfgang Artopoeus nichts ändern. Der Nachfolger von Wolfgang Kuntze, der Ende April in den Ruhestand ging, kennt sich zwar in der Materie aus. Bis Ende 1984 leitete er das Grundsatzreferat Bankaufsicht im Bonner Finanzministerium, und zuletzt war er als Berater von EU-Kommissar Peter Schmidhuber in Brüssel für Haushaltsfragen und die Harmonisierung von Finanzdienstleistungen zuständig. Doch neue Impulse wird der 58jährige Jurist, ein Mann, der nach dem Urteil seiner ehemaligen Kollegen "nie die Fassung verliert", der Behörde wohl kaum geben können. Denn in bezug auf die Bankenaufsicht fallen Entscheidungen längst nicht mehr in Berlin oder Bonn, sondern in Brüssel oder Basel bei der EU-Kommission oder der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ): Internationale Standards sollen den weltweit operierenden Banken gleiche Wettbewerbsbedingungen garantieren.

Eine weitere Funktionsverschiebung des Aufsichtsamtes ist daher zu befürchten. Es sieht seine Aufgabe, wie Kuntze zu seinem Abschied andeutete, immer weniger darin, den Bankern auf die Finger zu schauen, sondern schlüpft zunehmend in die Rolle des Anwalts des Kreditgewerbes, der bei internationalen Vereinbarungen dessen Konkurrenzfähigkeit zu verteidigen sucht. Artopoeus versichert zwar, seine neuen Aufsichtsobjekte kritisch im Auge behalten zu wollen. Doch mit einer Einstellung, die von der Sorge um das Überleben der Banken geprägt ist, läßt sich eine Kontrolle, die diesen Namen verdient, kaum durchführen. mm