Gäste aus Übersee

Der internationale Präsident des Leo Baeck Instituts, Michael A. Meyer, Professor für jüdische Geschichte in Cincinnati, hatte die Idee, und die Fritz-Thyssen-Stiftung macht für fünf Jahre das Geld locker. So gibt es in diesem Sommersemester an der Martin-Luther-Universität Halle die Premiere des Projekts "Gastprofessuren für deutsch-jüdische Geschichte an den Universitäten der neuen Bundesländer". Ein Dutzend Experten aus Israel und den USA haben schon zugesagt. Den Anfang in Halle macht Moshe Zimmermann, 1943 in Jerusalem geboren und dort seit 1986 Professor für Neuere Geschichte an der Hebräischen Universität.

Schätze aus Krakau

Etiketten, einmal angeklebt, sind schwer loszuwerden. August Philipp Varnhagen von Ense ist nicht nur als der Ehemann Rahels in die Geschichte eingegangen – jener geistreichen Berliner Salonière und Schriftstellerin aus jüdischer Familie –, sondern vor allem als Zensor und Verfälscher ihres Nachlasses. Ein ungerechtes Urteil wie sich zeigt, je mehr aus den unzähligen Mappen und Kästen, in denen die Krakauer Jagiellonska-Universität den Rahel-Nachlaß hütet, ans Tageslicht kommt. In der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (3/1994) veröffentlicht die Historikerin Irina Hundt erstmals vollständig Dokumente aus Krakau, in denen Varnhagen Raheis Eltern und Geschwister schildert, vermischt mit Erinnerungen an seine Frau. Nur wenige Monate nach ihrem Tod geschrieben, berührt trotz manchem romantischen Überschwang der unverstellte Ton, die Mischung aus unerschütterlicher Zuneigung und einem Sinn für komische Details.

Heimat aus zweiter Hand

Was sich hinter dem nüchternen Begriff "Exil" für jene verbirgt, die aus Hitler-Deutschland flüchteten, ist noch längst nicht ins Bewußtsein gedrungen: Das Leben war gerettet, doch die "Verfolgung" ging weiter. Zwei Bände des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TH Berlin bringen neue Dokumente und Arbeiten. "In tiefem Dunkel liegt Deutschland" wurde 1934 von Rudolf und Ika Olden in London geschrieben. Als Juden selbst betroffen, informieren sie nüchtern und genau über die Lage der Emigranten in Frankreich und England. "Deutsch-jüdisches Exil: Das Ende der Assimilation?", herausgegeben von Wolfgang Benz und Marion Niess, konzentriert sich auf das gespaltene Verhältnis deutscher Intellektueller – Tucholsky, Kerr, Mehring und andere – zu ihrem Judentum. (Erschienen im Metropol Verlag.)