Anette: Eine ideale Mutter, das ist für mich eine, die ihre Kinder zu abgerundeten Persönlichkeiten erzieht. Die Kinder sollen sie lieben und lassen können. Wenn meine Kinder mir spontan um den Hals fallen, auch wenn ich mal wieder ungerecht und ungeduldig war, dann habe ich den Eindruck: Ja, das stimmt. Daß ich sie pausenlos umhege und umsorge, ist nicht zwingend notwendig.

Barbara: Ich würde weitergehen. Als gute Mutter möchte ich auch einen Funken Vision haben. In einer Gesellschaft, die den Kindern so wenig Raum zur Entfaltung bietet, möchte ich ihnen ermöglichen, sich kindgerecht auszuleben. Sie sollen sich selbst in möglichst großer Freiheit erkunden, ohne daß ich sie einschränken muß. Solange die Kinder klein sind, möchte ich bedingungslos für sie dasein, weil sie mich in diesem geschützten Raum bedingungslos brauchen. Das ist eine innere Entscheidung.

Anette: Man beobachtet ja auch selektiv, je nachdem, was man gerade bestätigt sehen möchte. Ich bin überzeugt, daß es auch anders funktioniert. Freiräume brauchen die Kinder, und die haben sie auch trotz meiner Berufstätigkeit. Für mich ist der Maßstab: Machen sie einen stabilen Eindruck? Ich versuche mich an der Entwicklung meiner Kinder zu orientieren und möglichst nicht ständig zu vergleichen: Sind sie so weit wie die anderen? Ich versuche, mich nicht für alles allein verantwortlich zu fühlen, was meine Kinder tun und wie sie werden. Auf ihre Weise sind sie als Persönlichkeit schon fertig, und für mich ergibt sich daraus auch eine Grenze der Zuständigkeit.

Barbara: Das, was ich tue, hat eigentlich keinen Namen. Hausfrau klingt sehr abgestempelt und vermieft. Es ist ein selbstloser und dienender Weg und ebenso wie die weiblich dominierten sozialen Berufe ein Bereich, der nicht ernst genommen wird. Auf gesellschaftliche Anerkennung kann ich nicht warten.

Aber ich habe von den Kindern gelernt. Mein Leben ist wesentlich runder und reicher geworden. Sie sind frei und sehr selbstbewußt. Meine Haupttätigkeit spielt sich eigentlich im Hintergrund ab: dasein, zum Beispiel mittags nach der Schule. Wenn man Kinder nicht sehr früh daran gewöhnt hat, sich von den Eltern trennen zu müssen, dann empfinden sie das als sehr schmerzhaft.

Anette: Meine berufliche Situation wird von den meisten Leuten zunächst bewundert: Was, wie schaffst du das? Kritik wird nicht geäußert, Probleme werden nicht hinterfragt. Sie wollen hören: Ja, das geht alles prima. Aber was ist mit den Nächten, die ich nicht schlafe, weil Alix krank ist oder ich Sorgen habe? Sie wollen das Bild der Supermutter bestätigt sehen.

Ich akzeptiere die gegenwärtige Situation, auch wenn ich mein Leben in manchen Bereichen nicht mehr so gestalten kann, wie ich es möchte.