Bitte schreiben Sie nicht. Rufen Sie auch nicht an. Es wäre angenehm, könnten Sie die nun folgende Mitteilung hinnehmen, ohne mich darob Ihren Zorn spüren zu lassen. Also, offen gesagt: Hier spricht ein Fan des FC Bayern München.

Sie spitzen schon den Stift, haben den Hörer bereits in der Hand. Widerlich, diese Bayern, wollen Sie sagen, zusammengekaufte Startruppe, arrogante Geldkicker, das Glück gepachtet, die Fußballkunst korrumpiert. Jeder Bayern Fan kennt das "Ganz Fußball Deutschland", hat der Trainer des 1. FC Kaiserslautern gesagt, drücke seiner Mannschaft die Daumen. So war es immer. Bayern München ist in den Augen derer, die die Bayern nicht mögen, ein politically nicht korrekter Verein.

Für uns Bayern Fans in der Diaspora ist das besonders hart. Spott und Zorn, sobald man geoutet wird. Und jeden Montag der Spießrutenlauf durch die Redaktion "Bei dem Geld!" heißt es verächtlich nach einem Sieg. Hat mein Verein gegen einen Abstiegskandidaten verloren, empfiehlt sich der Verzicht auf das Mittagessen in der Kantine. "Wenn du noch Münchner wärst", sticheln die Kollegen, "oder wenigstens Bayer Es folgen Beschimpfungen. Bedrückt warte ich auf den Feierabend, um in der Vereinschronik noch einmal das Jahr 1974 aufzuschlagen: vier zu null über Atletico Madrid, Europapokalsieg!

Aber ich bin nicht allein. Es gibt noch andere in Hamburg, die leidvoll zusammenzucken, wenn Fans des HSV grölend dazu auffordern, den Bayern die Lederhosen auszuziehen. Wir erkennen einander. Wer sich verdrückt, wenn auf Hamburger Partys über Fußball gesprochen wird, ist für Bayern. Wir schleichen gemeinsam in die hinterste Gartenecke, schwärmen von den Spannschüssen eines Karl Heinz Rummenigge und singen leise "Hey, Super Bayern".

Einmal im Jahr ist unser Festtag. Dann spielen die Bayern im Volksparkstadion gegen den HSV. Wir stehen im Münchner Fanblock, sagen: "Grüß Gott", schwenken Fähnchen und schreien den Frust eines Jahres heraus. Später, wenn uns in der S Bahn HSV Anhänger passieren, verkneifen wir uns ein Grinsen (zwei zu eins für uns in diesem Jahr).

Unbestreitbar sind die Bayern die Groß, also unbestreitbar ist der FC Bayern ein erfolgreicher Verein, einmal Weltpokal, vier Europacups, deutscher Rekordmeister sowieso. Kein Wunder, bei der Kohle, sagt mein Freund Freddie, der für Borussia Dortmund schwärmt. Nun ja, Riedle, Sammer, Reuter sind auch nicht nach Dortmund gewechselt, weil ihnen gelbschwarze Trikots so gut stehen. Und seit wann ist es etwas Schlimmes, wenn jemand mit Geld umgehen kann?

Natürlich war es nicht nett, daß Franz Beckenbauer, unser Trainer, den Berti Vogts eine "Pfeife" genannt hat. Ein Bayern Fan leidet auch, wenn Lothar Matthäus ins Mikrophon schwadroniert. Aber vielleicht schießt er bald im WM Finale das entscheidende Tor, dann müssen ihn alle heben, dazu den Verein, für den er spielt, und sogar mich ein bißchen.