Seitdem sich die Lage auf dem deutschen Rentenmarkt zu stabilisieren scheint, treten nunmehr wieder die zinssensitiven Aktien der Banken und Versicherungen in den Vordergrund. Hier wird Nachholbedarf vermutet, besonders nachdem die Schneider-Immobilien-Pleite mit ihren Folgen allmählich in den Hintergrund rückt. Bei den Versicherungen hat die Allianz Holding für eine positive Überraschung gesorgt. Als erster im Deutschen Aktienindex (Dax) enthaltener Wert wird sie über eine Sonderausschüttung die noch vorhandenen, mit 56 Prozent versteuerten Rücklagen auskehren, allerdings gleichzeitig die Gelder über eine Kapitalerhöhung zurückholen. Darüber hinaus erhöht die Allianz ihre Dividende.

Gestoppt wurde der Anstieg der sogenannten zyklischen Werte. In der Hauptsache durch einen schwachen Dollar, der gegenüber der Mark in jüngster Zeit um rund zehn Pfennig zurückgefallen ist und alle jene enttäuscht, die ihn schon auf 1,80 Mark gesehen hatten. Gewinnmitnahmen gab es vor allem bei den stärker gestiegenen Papieren der Großchemie, aber auch bei den Autowerten, von denen VW-Aktien zusätzlich unter einer Nachforderung des argentinischen Fiskus von rund einer Milliarde Mark an das in Argentinien von VW zusammen mit Ford betriebene Gemeinschaftsunternehmen gelitten haben. Dennoch erreichte der Dax in dieser Woche ein neues Jahreshoch.

Die darin zum Ausdruck kommende optimistische Grundstimmung wird untermauert durch die meist zuversichtlich klingenden Unternehmensmeldungen. Einige Analysten nehmen sie zum Anlaß, ihre bisher vorsichtigen Gewinnschätzungen für 1994 nach oben aufzurunden. Fälle wie das jetzt bei Deckel/Maho eingeleitete Vergleichsverfahren werden als Altlasten eingestuft, die heute nicht mehr kursdrückend wirken, auch nicht bei den beteiligten Kreditinstituten.

Was indessen noch Sorgen bereitet, ist die geringe Umsatztätigkeit. Weder die Käufer- noch die Verkäuferseite lassen sich gegenwärtig aus ihrer Zurückhaltung herausbringen. Auch die Ausländer warten ab. Von einer Verlagerung der Aktivitäten in Richtung deutsche Aktien ist jedenfalls nicht viel zu spüren. Möglicherweise hängt das mit den Unwägbarkeiten der zahlreichen anstehenden Wahlen zusammen. K.W.