Vier Monate nach der Bahnreform hegt die Deutsche Bahn AG große Pläne: Neue Züge, mehr regionale Verbindungen, besserer Service im ICE sind nur einige Maßnahmen, mit denen zur Aufholjagd gegenüber Auto und Flugzeug geblasen wird.

Neunzig Milliarden Mark will die Bahn AG im Laufe der nächsten fünf Jahre in die Sanierung des Unternehmens investieren. Das neue Konzept geht weit über den neuen Namen und das mit einem Aufwand von zwanzig Millionen Mark geänderte DB-Logo hinaus.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der ICE. Schon 1996 soll eine neue Generation des hochgeschwinden Zuges über deutsche Schienen flitzen. Die Züge werden nur noch halb so lang sein wie der jetzige ICE, aber in zahlreichen Details viel moderner.

Dank elektronischer Online-Verbindung zwischen Zug und Platzbuchungscomputern in den Reisebüros wird es. dann möglich sein, Sitzplätze bis wenige Minuten vor Abfahrt zu reservieren. Die Kapazität des Zugrestaurants wird flexibler gestaltet – die an den Restaurantwagen angrenzenden Waggons können wahlweise als Sitz- oder Speisewagen genutzt werden.

Ein neuer, sogenannter Neigetechnik-Zug (Neitech) soll einen Hochgeschwindigkeitsbetrieb auch auf noch, nicht modernisierten, kurvenreichen Strecken ermöglichen. Der Zug, der sich automatisch in die Kurve legt, ist auf bestimmten Routen dann 200 anstatt bisher 120 Stundenkilometer schnell.

Mit Hilfe der neuen Zugsysteme, so DB-Vorstand Heinz Neuhaus, könnten dann wesentlich mehr umsteigefreie Direktverbindungen angeboten werden. Die gegenüber heutigen Fernzügen nur noch halb so langen Züge werden, auf Hauptstrecken wie beispielsweise Hamburg-München als "motorisierte Kurswagen mit eigenem Lokteil" zusammengekoppelt. Von München aus fahren sie dann eigenständig weiter, beispielsweise nach Garmisch oder Salzburg.

Um ihre Trassen auf Strecken mit hohem Passagieraufkommen besser auszulasten, ist vorgesehen, die Zugfolge-Abstände zu verkürzen. Schon heute kann auf den mit Hilfe eines Datenkabels elektronisch überwachten Strecken praktisch ferngesteuert alle fünf Minuten ein Zug verkehren. Auch im Nahverkehr setzt die DB zur Aufholjagd gegenüber dem Konkurrenten Auto an. Sobald die bislang geltende Eisenbahnbetriebsordnung (EBO) geändert wird, könnten straßenbahnähnliche Leichtbautriebwagen von Bundesbahngleisen bis hinein ins städtische S-Bahn-Netz fahren.